HAMBURG - Günter Jauch sollte die Polittalkshow „Christiansen“ übernehmen. Sabine Christiansen hört am 24. Juni auf.
Von Carsten Rave
HAMBURG - Es hätte so schön werden können: Um 20.15 Uhr am Sonntagabend der „Tatort“ mit seinen acht Millionen Zuschauern und anschließend die neue gesellschaftspolitische Talkrunde mit Deutschlands Vorzeigemoderator und Quotengarant Günther Jauch. Die ARD, die durch ihre erneute Marktführerschaft im Jahr 2006 an Selbstvertrauen gewonnen hat, wollte sich mit Jauchs Verpflichtung noch ein Stück mehr vom Kuchen abschneiden. Doch der Traum vom großen Sonntagabend ist geplatzt.Am Donnerstag informierte der 50-jährige Journalist, Showmaster und TV-Produzent die ARD über seinen Entschluss. ARD-Programmdirektor Günter Struve sagte: „Ich bedaure diese Entscheidung sehr.“ NDR-Intendant Jobst Plog ging unterdessen auf Schuldigen-Suche: „Der Vertragsschluss wurde durch eine Reihe von Indiskretionen und Nachforderungen aus einigen Landesrundfunkanstalten gefährdet“, sagte er und äußerte sich besorgt, „ob es der ARD in Zukunft noch gelingen wird, einen Fernsehstar ähnlichen Formats für sich zu gewinnen“.
Gründe nennt Jauch mehrere für seinen Rückzieher. Er lässt durchblicken, dass ihm der Widerstand einiger Rundfunkräte gegen sein Engagement nicht geschmeckt hat. Doch neben den Rundfunkräten mahnte auch WDR-Chefin Monika Piel generell an, dass gefragte TV-Stars sich zwischen den kommerziellen und den öffentlich-rechtlichen Sendern entscheiden müssten.
Ende November hatte Programmdirektor Struve verkündet, die ARD sei bestrebt, den Neuzugang stärker ins Programm mit einem weiteren Format einzubinden. Damit war Jauch aber nicht einverstanden. Was ihm auch nicht passte: Die Zuständigkeit für seine Show sollte den Chefredakteuren unterstellt werden. „Damit wäre nach meiner Auffassung die Sendung dem ständigen Risiko ausgesetzt, zum Spielball der politischen Farbenlehre innerhalb der ARD zu werden.“ Dies entspreche nicht seinem Empfinden von „innerer Freiheit und äußerer Unabhängigkeit“.
Beim Reizwort Werbung hätte es nach Jauchs Darstellung künftig keine Probleme gegeben. Zwar seien ihm seine Werbeaktivitäten nicht untersagt worden, doch habe er entsprechende Verträge bereits gekündigt oder auslaufen lassen. „Diese Zugeständnisse zeigen, wie sehr ich an dem Format am Sonntagabend interessiert war.“ Auch hier hatten sich ARD-intern Kritiker zu Wort gemeldet, denen es nicht recht war, dass einer, der im öffentlich-rechtlichen System ein Informationsformat inhaltlich gestaltet, nebenbei auch noch Werbung betreibt. RTL habe keinen Einfluss auf seine Entscheidung genommen, betonte Jauch. Ein besseres Angebot habe es nicht gegeben.
Sabine Christiansen selbst steht nicht für eine Verlängerung zur Verfügung. Ihr Sprecher Michael Ortmanns sagte der „Bild“-Zeitung: „Wir sind zwar überrascht über diese Nachricht, aber uns betrifft das nicht.“ Er kündigte Christiansens letzte Ausgabe für den 24. Juni an.
Der für den Sendeplatz zuständige NDR versprach eine „rasche Alternative“. Als möglicher Kandidat wird unter anderen Frank Plasberg gehandelt, der im WDR-Fernsehen den Talk „Hart, aber fair“ präsentiert. Der TV-Moderator sagte den „Lübecker Nachrichten“, er stehe zur Verfügung, wenn er gefragt würde.
