HANNOVER - Bis zur Fußball-WM soll die Nation Handy-TV empfangen können. Die Hersteller stehen mit fertigen Geräten in den Startlöchern.
Von Dirk Averesch
HANNOVER - Viele reden über das Fernsehen auf dem Handy, aber noch kann es keiner sehen – zumindest in Deutschland. In Korea ist die „Glotze“ im Mobiltelefon bereits ein Erfolg, in Deutschland laufen erste Feldversuche. Bis zur Fußball-WM soll die Nation aber Handy-TV empfangen können. Auf der CeBIT in Hannover (bis 15. März) zeigen Hersteller Prototypen von TV-tauglichen Handys, und an den Ständen der Telekommunikationsbranche sehen Besucher testweise bunte Bilder über kleine Displays zuckeln.Sollte zur Fußball-WM noch kein Handy-TV verfügbar sein, wollen beispielsweise Mobilfunkbetreiber wie O2 oder T-Mobile ihren Kunden zumindest Spielschnipsel per UMTS auf die Handys schicken. Echtes Fernsehen ist das jedoch noch nicht. „Die UMTS-Netze sind für Multimedia-Dienste wie Musik oder Fernsehen auf dem Handy nur sehr begrenzt geeignet, weil die Kapazität von UMTS schnell erschöpft ist, sobald auf ein- und denselben Stream massenhaft Zugriffe erfolgen“, erklärt Professor Ulrich Reimers von der Technischen Universität Braunschweig.
Gerade an den Übertragungsstandards für mobiles Fernsehen scheiden sich aber noch die Geister. Die norddeutschen Medienanstalten wollen Digital Video Broadcasting for Handheld (DVB-H) realisieren, das auf dem digitalen Antennenfernsehen DVB-T basiert. Für den Standard hat sich beispielsweise Italien entschieden, getestet wird er unter anderem in New York. Medienanstalten in Süddeutschland konzentrieren sich auf Tests mit dem Standard Digital Multimedia Broadcasting (DMB). Dieser nutzt die Infrastruktur des Digitalradios DAB und hat sich beispielsweise in Korea durchgesetzt.
Auf dem Handydisplay wird der Verbraucher nicht erkennen, welcher Standard hinter dem Fernsehbild steckt. „Videoqualität und Komprimierung sind bei beiden Verfahren gleich“, sagt Gerhard Rolletter, Planungsingenieur bei Hessen Digital Radio, dem hessischen DAB-Sendernetzbetreiber. 320 mal 200 Bildpunkte wird das mobile Fernsehbild in beiden Fällen groß sein. „DMB ist aber robuster gegen Störungen.“ Dafür hat DVB-H pro Kanal mehr Kapazität: „Dort lassen sich rund 30 Programme unterbringen, bei DMB sind es nur vier“, erklärt Rolletter. Allerdings gibt es noch freie DAB-Frequenzen, die für zusätzliche DMB-Kanäle genutzt werden können. Für einen DVB-H-Kanal müsste aber ein Fernsehsender im bereits voll belegten Netz des digitalen Antennenfernsehens DVB-T geopfert werden.
Mobiltelefone mit Fernsehempfang gibt es in Deutschland noch nicht im Handel. Allerdings stehen die Hersteller bereits mit fertigen Geräten in den Startlöchern. So zeigt Samsung auf der CeBIT das in Asien erhältliche TV-Klapphandy SGH-P900, das Fernsehen per DMB empfängt. Für DVB-H hätte Samsung das SGH-P910 zu bieten. Nokia setzt bisher nur auf DVB-H und zeigt in Hannover sein TV-Handy N92.
Fernsehen auf dem Handy ist vorerst ein kurzes Vergnügen. „Nach einer Stunde ist der Akku leer“, sagt Rolletter. Für ein Fußballspiel reicht das nicht.
