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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Interview: „Die Idioten waren immer die anderen“

05.10.2020
Mit seinen Büchern über Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer, hat Michael Ende Kindern spannende Lesestunden bereitet. Der Film „Jim Knopf und die Wilde 13“, der am Donnerstag im Kino startete, versucht, Klischees zu vermeiden. Michael „Bully“ Herbig, der darin den Halbdrachen Nepomuk spricht, und Piraten-Darsteller Rick Kavanian im Interview.

Frage: Das „Jim Knopf“-Buch von Michael Ende wird dafür kritisiert, dass auch das N-Wort auftaucht. Im Film kommt das natürlich nicht vor. Wie stehen Sie zu dieser Debatte?

Herbig: Das Buch ist aus den 1960ern und stammt aus einer Zeit, wo wir auch noch völlig unbedarft als Kinder von Mohrenköpfen und Negerküssen gesprochen haben, ohne zu wissen, was das heißt. Ich hatte nicht im Ansatz eine rassistische Idee im Kopf, als ich am Kiosk einen Negerkuss gekauft habe. Keiner von meinen Freunden. Ich bin unschuldig mit diesem Vokabular umgegangen, finde es aber natürlich richtig, dass man heute Schaumkuss dazu sagt.

Frage: Wie geht der Film damit um?

Herbig: Wir haben im Film einen dunkelhäutigen Jungen, der unter Menschen mit heller Hautfarbe aufwächst und sich irgendwann fragt, woher er eigentlich kommt. Ich finde den Film richtig zeitgemäß, weil es darum geht, wo man hingehört. Man könnte auch sagen „Home is where your heart is!“. Auch die Angst vor dem Fremden zieht sich durch die ganze Geschichte. Der Halbdrache Nepomuk stellt sich diese Fragen auch. Seine Mutter war Nilpferd, der Vater war ein Drache. Deshalb wird er von den sogenannten richtigen Drachen nicht akzeptiert. Aber auch er findet Freunde und seine Bestimmung.

Frage: Diskutiert werden auch Filme über amerikanische Ureinwohner, weil sie oft klischiert sind. Wie sehen Sie das als Regisseur von „Schuh des Manitu“?

Herbig: Wir haben nie im Ansatz darüber nachgedacht, uns über die amerikanische Geschichte oder über Natives in irgendeiner Form lustig zu machen. Es ging immer um die Karl-May-Filme, die wir alle geliebt haben und in denen wir unheimliches Humorpotenzial gesehen haben. Als wir vor 20 Jahren diesen Film gedreht haben, hatten wir echte Indianer am Set, die haben jeden Tag mitbekommen, was wir da machen. Und sie hatten einen Riesenspaß.

Frage: Heute wäre es wohl schwierig, so einen Film zu realisieren.

Kavanian: Nach außen wirkt das eher wie ein Ritterschlag. Wenn dich jemand parodiert, dann ist das schon etwas Besonderes. Und wir parodieren ja immer mit der Absicht, das so unterhaltsam wie möglich zu machen. Ich glaube, man merkt, dass wir unsere Figuren nie verraten. Wir nehmen die so ernst, wie wir können und wir wollen sie nach außen hin auch so glaubhaft und gut wie möglich darstellen. Herbig: Die Königsdisziplin ist, die Leute zum Lachen zu bringen, die du auf den Arm nimmst. Und egal ob das jetzt die Indianer waren oder die Schwulen, sie waren immer unsere Helden, unsere Sympathieträger. Die Idioten waren immer die anderen.

Frage: Wird Corona trotzdem Eingang in Filme finden?

Herbig: Ich bin mir ganz sicher, dass während des Lockdown schon ein paar gute Drehbücher entstanden sind. Da steckt natürlich unfassbar viel Potenzial drin, sowohl für Komödie als auch für Drama. Ich glaube, da kommen noch einige Filme auf uns zu.

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