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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Interview: Nachkriegszeit als Überlebenskampf

26.10.2020
Die vierteilige Serie „Schatten der Mörder – Shadowplay“, die das ZDF ab 30. Oktober ausstrahlt, entführt den Zuschauer ins zerstörte Berlin von 1946. Hier treibt Gynäkologe Hermann Gladow sein Unwesen als sogenannter „Engelmacher“, gespielt von Sebastian Koch (58, „Das Leben der Anderen“). Ein Gespräch.

Frage: Herr Koch, ist diese Rolle nach „The Danish Girl“ und „Nebel im August“ für Sie der Abschluss einer Ärzte-Trilogie?

Koch: (lacht) Nein, das ist ein Zufall. Die drei Rollen waren so unterschiedlich, dass sie wirklich gar nichts miteinander zu tun haben.

Frage: In „Shadowplay“ sagt ein russischer Offizier, dass der Krieg 1946 nicht vorbei sei. Er hätte nur sein Gesicht geändert. Muss man in solchen Zeiten Begriffe wie Anstand oder Würde etwas relativieren?

Koch: Ich glaube ja. Das ist tatsächlich ein Ausnahmezustand. Es war einer der Gründe, warum ich diesen Film gemacht habe: Ich finde das Jahr 1946 extrem spannend! Deutschland hatte einen entsetzlichen Krieg verloren und überall auf der Welt übelste Verbrechen zu verantworten. In den vier Sektoren gab es keine Polizeigewalt im eigentlichen Sinne. Das heißt, wir sprechen von einer gesetzlosen, gewaltbereiten Zeit. Es gab 100 000 registrierte Vergewaltigungen, die Dunkelziffer liegt entsprechend viel höher. Das war immer noch ein einziger Überlebenskampf. Es gab ja kaum etwas. Die Deutschen waren halb verhungert und hechteten jeder Schokolade und jeder Zigarette nach. Dazu kam noch diese unendliche Hitze, der Sommer 1946 war sehr heiß. Diese Zeit liefert einen starken Energieboden, um eine so spannende Geschichte zu erzählen. Das hat mir gefallen.

Frage: Glauben Sie, dass Sie unter solchen Umständen auch persönlich über ein gewisses Maß an krimineller Energie verfügen würden?

Koch: Sicherlich. Ich glaube, gewisse Strategien entwickelt jeder, wenn es darum geht, an existenzielle Sachen wie z.B. Brot zu kommen. Ich weiß nicht, ob „kriminelle Energie“ in diesem Zusammenhang der passende Begriff ist. Es hat auch etwas mit Geschick zu tun, mit Mut und der Fähigkeit, sich auf besondere Situationen einzustellen, wenn es um das Überleben geht. Natürlich gibt es auch da Grenzen, ja. Moral, Werte. Aber diese Dinge sind bei jedem Einzelnen sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Frage: Haben Sie das Format der Serie für sich entdeckt?

Koch: (lacht) Sagen wir es einmal so: Vielleicht ist es ein bisschen Gewohnheit. Man kommt um die Serie ja gar nicht mehr herum, auch als Zuschauer. „The Sinner“ habe ich mir zum Beispiel sehr gern angeschaut. Es gibt ein paar Serien, die ich toll finde, vor allem, wenn sie nach acht Folgen aufhören und abgeschlossen sind. Trotzdem werde ich immer ein absoluter Kinofan bleiben. Ich wünsche und bete und hoffe, dass es nach wie vor hochgehalten wird. Die Leinwand ist das Größte für mich.

Frage: Sind Sie in Sorge, dass das Kino durch die Corona-Krise nachhaltig beschädigt werden könnte?

Koch: Das Kino befindet sich gerade auf einem sehr schwierigen Weg. Die Streamingdienste sind zur Konkurrenz herangewachsen und die Corona-Krise hat diese Entwicklung noch mal beschleunigt. Ich hoffe nur, dass die Menschen nicht vergessen, wie wichtig das Zusammenkommen in einem Raum ist. Der beste Beamer zu Hause ist nicht vergleichbar mit einem gemeinsamen Erlebnis auf einer Leinwand, die alles sieht. Diese Erfahrung ist nicht zu ersetzen.

 Schatten der Mörder – Shadowplay. Vierteilige Thriller-Serie; ab Freitag, 30. Oktober, 20.15 Uhr, im ZDF

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