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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Ein Betrugsskandal als Lachnummer

30.04.2019

Karlsruhe So fängt sonst ein Thriller an: Lichter blinken schemenhaft, die Landebahn ist dunkel, die Gesichter der Passagiere im Privatflieger sind angespannt und Big Mannis Gesicht wie immer von leichtem Schweißfilm überzogen. Mit der Hand trommelt er nervös gegen die Kabinenwand, schnauzt die Gattin an und wendet sich schnaufend ab. In der Auftaktszene der SWR-Produktion „Big Manni“ ist Manni längst am Ende – oder jedenfalls fast.

Bevor es dazu kommt, will Manni, im Film Manfred Brenner und gespielt von Hans-Jochen Wagner, seine schier unglaubliche Geschichte aber lieber selbst erzählen: die Geschichte um die Firma Flowtex im badischen Ettlingen, deren Gründer Manfred Schmider als einer der größten Wirtschaftsbetrüger jemals in die Annalen einging. Regisseur Niki Stein hat den Film, der an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten läuft, als Groteske angelegt – und kommt gerade dadurch der Realität ziemlich nahe.

Die Flowtex-Satire beginnt mit der düster orchestrierten Flughafenszene zwar wie ein Krimi, wendet sich aber nur Minuten später in eine ironische Posse. Ganz ohne Drama oder tiefe Gefühle fungiert Manni nicht nur als Hauptfigur, sondern spricht den Ablauf der Geschehnisse auch selbst ein. Linear erzählt er sein Leben, recht unbewegt und mit höchstens lakonisch gemeinter Reflexion.

Alles dreht sich im Film um ihn: Extra breitbeinig, bräsig und beleibt stapft Manni durchs Leben, stürzt beim Skifahren geradewegs über seine spätere Frau (Nina Gnädig), verdient erst gutes Geld mit Fassadenfarben und stolpert dann im wahrsten Sinne des Wortes über eine einzigartige Geschäftsidee. Nur dass die ihn Jahre später zu Fall bringt, Politiker mit sich reißt, langwierige Prozesse nach sich zieht und dem Steuerzahler einen Schaden von weit mehr als vier Milliarden Euro bescheren wird: Manni hat Horizontalbohrmaschinen verleast, die es gar nicht gab und Aufträge vorgetäuscht, wo keine waren. Ganz einfach. Nur merken wollen hat’s halt keiner.

Umgeben von Knallchargen – „Grasdaggl und Schwachmade“, wie es in schönstem Dialekt heißt – in Gestalt gieriger Banker, schleimiger Politiker und Mannis unbedarftem Luxusweibchen, gewinnt im Film nur Manni füllige Kontur. Wagner spielt ihn als schlichtes Gemüt, schwer atmend, kindlich-optimistisch, ungeduldig, hochfahrend und immer etwas zu laut.

Die Dialoge sind absurd banal, der Dialekt bildet die provinzielle Kumpanei ab, ohne die die Flowtex-Gaunereien nie so prachtvoll hätten gedeihen können. „Bedengge, immer bloß Bedengge“, schnaubt Manni verächtlich – um sich über eben jene sogleich hinwegzusetzen.

Der Film verwendet absichtlich keine Mühe auf feinfühlige Charakterstudien. Wie Mannis Ehe ist? Was seine Frau so denkt? Egal. Was um Himmels willen einen wie Manni dazu bringt, sich relativ furcht- und bedenkenlos über Jahre immer tiefer in das Schneeballsystem hineinzumanövrieren? Egal.

Vordergründig voller Klischees ist das vielleicht die beste Methode, sich diesem spektakulären Betrugsfall zu nähern. Denn eine logische Erklärung dafür, wie sich Politiker und Banken dermaßen zum Narren halten lassen konnten, gibt es wie so oft nicht. Bittere Lektion: Alles ist einfach so unglaublich viel schlichter, als man sich je hätte träumen lassen. Manfred Schmider war ein Blender. Und Menschen wollen sich eben blenden lassen.

Die Erschütterungen des Flowtex-Skandals hallen bis heute nach. 240 Millionen Euro wurden bisher an 396 Gläubiger ausgeschüttet. Prozesse in der Schweiz um das Privatvermögen Schmiders werden nach Worten eines Sprechers des Insolvenzverwalters Schultze & Braun noch viele Jahre dauern. Die Dokumentation „Big Manni-Big Money“ dröselt im Anschluss (21.45 Uhr) an den Film die realen Geschehnisse auf. Der echte Manni hat seine Strafe längst abgesessen – vorzeitig entlassen.

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