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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Komödie „könig Von Köln“ Im Ersten: Liebeserklärung und Spottgesang zugleich

11.12.2019

Köln Ganz nüchtern, vor grauer Wand, spricht der Protagonist Josef Asch ein paar Sätze in die Kamera. Doch diese Nüchternheit geht schnell vorüber - das Kölsch lässt nicht lange auf sich warten. Schon nach wenigen Sekunden erklingt ein Karnevalslied, das erste von vielen in der Komödie „König von Köln“ an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten. Es ist eine Satire, in deren korruptem Wirrwarr eigentlich niemand so richtig zum Sympathieträger taugt.

Schon gar nicht Alfred von Hoppenheim (Ernst Stötzner): Der schwerreiche und stadtbekannte Unternehmer muss sich von einer jungen Staatsanwältin am frühen Morgen aus seinem Haus scheuchen lassen. Diese vermutet, seine Geschäfte gingen nicht mit rechten Dingen zu und will sein Anwesen durchsuchen lassen. Verdattert lehnt sich der grauhaarige Herr im Bademantel an einen Streifenwagen. „Sie können wirklich noch nicht lange in der Stadt sein“, empört er sich. Wer ihn kenne, und das tue ja hier wohl jeder, würde so nicht mit ihm umgehen.

Jeder kennt jeden – und einer hat bei allen noch einen Gefallen gut: Asch (Rainer Bock), der „König von Köln“, treibt den berüchtigten „Kölschen Klüngel“ auf die Spitze. Durchtrieben lässt er Ermittler, Unternehmer und Stadtverwaltung nach seiner Pfeife tanzen. Junge Zugezogene, in der Hoffnung auf ehrliche Karriere, haben keine Chance im eingeschworenen Altmänner-Geflecht. „Klüngel bedeutet Korruption“, sagt Autor Ralf Husmann.

Die ARD-Produktion von Regisseur Richard Huber macht keinen Hehl daraus, auf welchen realen Skandal sie anspielt: Nicht nur die Kaufhaus-Erbin Valerie Dickeschanz und der Unternehmer Tom Middeldorf tragen im Film Namen, die jenen der Beteiligten aus realen Geschehnissen rund um die deutsche Kaufhaus-Kette Karstadt-Quelle ähneln. In dem langwierigen Gerichtsprozess ging es nicht nur um einen der spektakulärsten Firmenzusammenbrüche der Nachkriegszeit, sondern auch um Untreue und Steuerhinterziehung des Konzern-Chefs.

Für die Millionenstadt am Rhein ist der Film „König von Köln“ Liebeserklärung und Spottgesang zugleich. Kaum ein Köln-Klischee, das ausgelassen wird. Ob Karnevals-Besessenheit, frivole Dienstausflüge ins Riesen-Bordell oder den obligatorischen Seitenhieb nach Düsseldorf.

Bei der Gestaltung seiner Charaktere lässt Huber als Regisseur wenig Raum für Interpretationen: Die Kölner Männerelite ist gierig und korrupt, die reiche Erbin blauäugig und kunstverliebt, die zugezogene Staatsanwältin karrierebewusst und unbestechlich, der junge Italiener tatkräftig und warmherzig.

Bei allen Schenkelklopfern zieht der Film jedoch ein Fazit, das nicht nur auf die reale Inspirationsquelle zutrifft, sondern auch auf viele andere Skandale unserer Zeit, ob Cum-Ex oder Diesel: Für die enormen entstandenen Schäden kommt wie immer der Steuerzahler auf. In Köln und überall.

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