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Unterhaltung Sprachrohr der Vernachlässigten

Yuriko Wahl

KöLN - Er war lange eine feste Größe im Unterhaltungs- und Showgeschäft. Wenn Max Schautzer durch Köln läuft, wird er noch immer freundlich gegrüßt oder hört Passanten tuscheln: „Das ist doch der von ,Pleiten, Pech und Pannen‘.“ Vier Jahrzehnte war der Österreicher mit Wohnsitz in Köln und Kitzbühel regelmäßig im Fernsehen präsent, zur besten Sendezeit, hat Top-Quoten geschafft. Heute ist er bisweilen in Talkrunden zu Gast, sonst aber weniger zu sehen im TV. An diesem Sonnabend wird Schautzer 70 Jahre alt. „Ich vermisse die Fernseh- Präsenz nicht“, sagt er.

Strenges Urteil

Hinter der Kamera ist Schautzer noch immer aktiv, werkelt seit einigen Jahren am eigenen Sender Telebono, der nach Verzögerungen demnächst an den Start gehen soll. „Ich bin sehr optimistisch, dass es bald losgehen kann.“ Was Schautzer nicht mag, ist die Bezeichnung „Seniorenkanal“. Denn: „Wir haben in Deutschland ein Problem mit dem Etikett Senior. Eine Senioren-Reise bucht kein Mensch, aber eine Erlebnisreise für Menschen ab 50 schon. Wir wollen die Angebote unseres Senders an Menschen in der zweiten Lebenshälfte ausrichten.“

Die Lizenz für ein Vollprogramm hat er, einen großen Stab von Mitarbeitern auch, viele Sendungen sind fertig. Seine Motivation: „Wenn du 50 bist, bist du nicht mehr interessant, dann gehörst du zu der Gruppe, die vernachlässigt wird in der Wirtschaft, Werbung, in den Medien. Diese künstlich gezogene Demarkationslinie stört mich schon lange.“ Wenn ihn die „Bild“-Zeitung „Robin Hood der Rentner“ nennt, sagt Schautzer: „Das adelt mich.“ Und ergänzt: „Ich bin das Sprachrohr einer vernachlässigten Generation.“ 2004 war er vom Südwestfunk unter Hinweis auf sein Alter telefonisch in Rente geschickt worden – eine prägende Erfahrung.

Zwar lächelt Schautzer viel und milde, sein Urteil zur aktuellen Qualität des Fernsehens ist aber eindeutig und streng. „Die Moderatoren sind heute austauschbar wie Module. Das sind Teleprompter lesende Models vor der Kamera. Wer mal kurz mit Dieter Bohlen befreundet war, darf dann plötzlich auch mal Moderatorin sein.“ Und: „Es läuft überall das Gleiche. Was erfolgreich ist, wird sofort von anderen Sendern nachgeahmt.“ Durch den Quotendruck gebe es kaum noch Unterschiede zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen.

Größter Erfolg

Als Schautzer in den 70er Jahren in der Unterhaltung anfing, war das Angebot „breiter und vielschichtiger“, erinnert sich der Österreicher. „Am meisten Spaß hat mir das sehr anspruchsvolle Städtequiz ,Allein gegen alle‘ gemacht oder die Sendung ,Alles oder nichts‘ – vor allem aber Sendungen, in denen ich auch soziale Anliegen transportieren konnte, wie ,Ein Platz an der Sonne‘ und ,Die Goldene Eins‘.“

Sein größter Erfolg ist die Pannenshow: „Ich bin stolz auf ,Pleiten, Pech und Pannen‘ – meine Erfindung, die ich mir aber leider nicht habe schützen lassen. Die Show ist vielfach nachgeahmt worden, bis zum Overkill.“ 1984 erfand er das Format und präsentierte es fast 20 Jahre im Ersten. Lange trug Schautzer den Titel „Feuerwehrmann der ARD“, den heute Leute wie Günther Jauch oder Eckart von Hirschhausen bekommen.

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