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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Internet: Pandemie spielt Streamingdienst in die Karten

21.03.2020

London Zynisch betrachtet hätte der Zeitpunkt für den Deutschlandstart der neuen Streamingplattform Disney+ kaum besser sein können. Dass das Coronavirus das öffentliche Leben zum Erliegen bringt und die Leute zu Hause mehr fernsehen, dürfte den Start des neuen Konkurrenten für Netflix, Amazon Prime Video und Co. erfolgreicher machen. Der neue Streaminganbieter punktet zudem mit unzähligen Disney-Klassikern, den Filmen und Serien des Marvel-Universums und mit „Star Wars“.

Das vielleicht wichtigste Zugpferd für Disney+ ist „The Mandalorian“, die erste reale „Star Wars“-Fernsehserie, die in den USA schon vor Monaten veröffentlicht wurde. Um ihre putzige „Baby Yoda“-Figur entstand im Internet sofort ein Kult. In Deutschland wird die erste Folge am Sonntag im Free-TV bei ProSieben ausgestrahlt. Ab Dienstag sind alle acht Episoden abrufbar.

Pedro Pascal („Game Of Thrones“) ist der Mandalorianer. Der scheinbar gesichtslose Kopfgeldjäger schlägt sich nach dem Untergang des Imperiums in der chaotischen Galaxis durch. „Mando“ nimmt nie den Helm ab, folgt den Regeln seines Clans und stellt keine Fragen.

Für einen zwielichtigen Kunden, den der deutsche Regisseur Werner Herzog („Fitzcarraldo“) herrlich sinister verkörpert, soll er einen besonders schwierigen, geheimen Auftrag erledigen. Es winkt ein fettes Kopfgeld. Doch als der scheinbar gefühlskalte Krieger seine Zielperson findet, bekommt er erste Zweifel. Er bricht die Regeln, legt sich mit seinem Auftraggeber an und macht sich viele Feinde. Welche Rolle „Baby Yoda“ dabei spielt, wird hier nicht verraten.

Erfinder, Autor und Produzent von „The Mandalorian“ ist Jon Favreau, der schon lange erfolgreich in Hollywood mitmischt – zuletzt auch wieder als Schauspieler, unter anderem in „Spider-Man: Far From Home“. Favreau war es, der sein Idol Herzog vor die Kamera holte. „Er wollte, dass dieser Kerl Herzog weltweit auch irgendwo zu sehen sein soll“, sagte Herzog. Der 77-Jährige gestand, dass er mit „Star Wars“ vorher kaum Kontakt hatte. „Ich habe ein paar Trailer gesehen, bin aber nie in einem der Filme gewesen.“

In der Zeitrechnung des „Star Wars“-Universums spielt „The Mandalorian“ kurz nach dem Kinofilm „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983), der sechsten Episode der Skywalker-Saga. Die neue Serie bleibt dem von George Lucas erschaffenen Universum treu. Die Optik der Kulissen und Raumschiffe, Masken, Roboter und Kostüme wurde konsequent fortgeführt. Neben Spezialeffekten aus dem Computer nutzten die Macher viele mechanische Puppen, sogenannte Animatronics.

Äußerlich eine Science-Fiction-Serie, ist „The Mandalorian“ bei genauerer Betrachtung eine Hommage an die Italowestern der 60er und 70er Jahre. „Ich kann dich kalt oder warm ausliefern“, sagt der Mandalorianer zu einem Flüchtigen. Wie einst Franco Nero in „Django“ oder Clint Eastwood in „Für eine Handvoll Dollar“ ist Pascal ein einsamer Antiheld.

Auch visuell erinnert die Serie mit großzügigen Totalaufnahmen von Wüsten und kargen Städten an die Klassiker von Sergio Leone und Co. Die stimmungsvolle Filmmusik von Ludwig Göransson („Creed“, „Black Panther“) hat mehr mit den Westernmelodien des großen italienischen Maestros Ennio Morricone gemein als mit dem typischen „Star Wars“-Sound von Hollywood-Altmeister John Williams. Gezielt setzt Göransson sein Titelthema als Erkennungsmelodie ein.

Mit dem ruhigen Erzählstil und den in sich relativ abgeschlossenen acht Episoden hebt sich „The Mandalorian“ angenehm von anderen zeitgenössischen Serien ab. Das ist beste Unterhaltung auf Kinoniveau. Eine zweite Staffel ist bereits abgedreht.

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