• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Medien: „Tantchen“ steht vor dem Umbau

27.02.2020

London Ob sorgfältig recherchierte Reportagen oder Skurriles wie „Monty Python“ und „Fleabag“ – die britische BBC setzt seit Jahrzehnten weltweit Standards. Doch nun will Premierminister Boris Johnson das „Tantchen“, wie die Rundfunkanstalt liebevoll in Großbritannien genannt wird, umkrempeln. Die ehrwürdige Institution, die 1922 gegründet wurde, muss um ihre Finanzierung bangen.

Johnson, der selbst früher als Journalist tätig war, hat kein gutes Verhältnis zu der BBC. Er bezeichnete sie als „Brexit Bashing Corporation“ (etwa: Brexit-Miesmacher- Unternehmen) und weigerte sich vor den Wahlen im vergangenen Jahr, sich den Fragen des bekannten BBC-Interviewers Andrew Neil zu stellen. Und er zog im Wahlkampf in Erwägung, die Rundfunkgebühren abzuschaffen, über die sich der öffentlich-rechtliche Sender zu etwa drei Vierteln finanziert.

Der Ton in der Debatte um die BBC hat sich kürzlich noch verschärft. Die „Sunday Times“ zitierte einen anonymen Regierungsberater, der behauptete, das Kabinett wolle die Reichweite der BBC „beschneiden“, die Rundfunkgebühren durch ein Abo-Modell ersetzen und die Rundfunkanstalt dazu zwingen, den Großteil ihrer 61 Radiostationen zu verkaufen. „Wir werden sie zerschlagen“, sagte der anonyme Berater.

Als Quelle dieses Berichts und treibende Kraft hinter dem Kampf gegen die BBC wird Dominic Cummings vermutet, der umstrittene Berater des Premierministers. In der Vergangenheit äußerte sich Cummings schon kritisch über die BBC. Der von ihm mitgegründete Think Tank „New Frontiers Foundation“ schlug schon 2004 vor, die Konservativen sollten die Glaubwürdigkeit der BBC unterminieren und ein Pendant des US-Senders Fox News in Großbritannien gründen. Cummings äußert sich grundsätzlich nicht öffentlich zu dem Thema.

Inzwischen sorgt der Ton der Debatte sogar unter Mitgliedern der Konservativen Partei für Kritik. „Einen ideologischen Grabenkrieg gegen die BBC zu führen, ist nicht hilfreich und undankbar“, sagte der Abgeordnete Huw Merriman. Der Tory-Politiker ist der Vorsitzende der parlamentarischen Gruppe, die sich mit der BBC befasst. Merriman kritisierte die „etwas brutale Art“ von Cummings.

Schon jetzt muss die Rundfunkanstalt sparen, um sich den ändernden Gewohnheiten der Nutzer anzupassen. Kürzlich wurde der Abbau von 450 Stellen bei der Nachrichtensparte BBC News angekündigt. Die Abschaffung der Gebühren würde die BBC hart treffen. Momentan muss jeder Haushalt, der einen Fernseher besitzt oder TV-Livestreams im Internet nutzt, 154,50 Pfund (etwa 185 Euro) pro Jahr zahlen. Im vergangenen Jahr wurden 3,69 Milliarden Pfund (etwa 4,4 Milliarden Euro) an Beiträgen gesammelt. Wer nicht zahlt, muss mit Strafen und in Extremfällen sogar mit Haft rechnen.

Anfang Februar kündigte die Regierung eine öffentliche Konsultation an, um zu prüfen, ob die Nichtzahlung von Gebühren entkriminalisiert werden soll. Die BBC hält dem Sachargumente entgegen: Ein solcher Schritt sei bereits 2015 im Auftrag der Regierung überprüft und für nicht sinnvoll befunden worden.

Auch die Opposition kritisiert Johnsons Pläne. „Die BBC ist ein Stück britischer Kultur, die bis jetzt in der ganzen Welt respektiert wird“, sagte der Labour-Abgeordnete Ben Brad-shaw. „Das scheint ein politisch motivierter Angriff einer Regierung zu sein, die fest entschlossen ist, unsere Institutionen zu zerstören.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.