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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Fernsehen: Bei diesem Road-Trip ist der Weg das Ziel

23.06.2020

Ludwigsburg „Do not disturb“ steht auf dem Schild, das an Henrys Rückspiegel baumelt. Der Spruch ist durchaus als Lebensmotto des Mittvierzigers zu verstehen: Der Sterbehelfer hat selbst längst genug vom Leben und vor allem seinen Mitmenschen. Und will von beiden möglichst wenig behelligt werden in der Tragikomödie „Now or never“, die das Erste am Mittwoch, 24. Juni um 20.15 Uhr ausstrahlt.

Kundin Rebecca (Tinka Fürst) kommt Henry (Michael Pink), der für ein Unternehmen an der deutsch-schweizerischen Grenze arbeitet, insofern mehr als ungelegen: Die junge Frau leidet an einem Gehirntumor und hat beschlossen, per Sterbehilfe aus dem Leben zu scheiden. Vorher aber will sie noch einmal so richtig feiern, und zwar zusammen mit ihrem Sterbehelfer. Später ist sie so traurig und betrunken, dass Henry bis zum Morgen bei ihr bleibt.

Als es ans Sterben gehen soll, hat Rebecca plötzlich von einem Wunderheiler in einem abgelegenen Tal gehört, zu dem sie unbedingt noch fahren will. Mithilfe eines Briefes seiner toten Frau, den Henry wie eine Reliquie mit sich herumträgt, erpresst sie ihn, sie zu begleiten.

Damit beginnt ein Roadmovie, ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Und wie es sich für ein richtiges Roadmovie gehört, werden Henry und Rebecca verfolgt – von einem nicht minder unfreiwilligen Gespann: Von Rebeccas Mann Daniel (Sebastian Jehkul) und Benno (Johannes Allmayer), Henrys Arbeitskollegen und einst bestem Freund. Auf den Straßen unterwegs sind zudem mehrere Elvis-Doubles als Running Gag des Films. In der Gegend findet ein Elvis-Revival-Festival statt. Und natürlich bezieht sich der Filmtitel auf Elvis’ berühmten Song „It’s now or never“, also: „Jetzt oder nie“.

Die Bewegung tut dem Film gut: Beginnt er doch zunächst etwas hölzern und sogar hin und wieder ein wenig plump, wird die Tragikomödie immer organischer, je mehr sie buchstäblich in Fahrt kommt. Zunehmend entwickelt der Film schöne, wahrhaftige und berührende Momente. Die kreisen ums Sterben – und damit natürlich zwingend auch ums Leben. Denn an den „Wunderheiler“ glaubt hier niemand so wirklich. Dass Rebecca eher früher als später sterben wird, ist allen klar. Gelegentlich etwas zu schematisch bleibt der Film aber auch in dieser mittleren Passage. So ganz bei sich an kommt die Tragikomödie erst, als alle vier schließlich bei der grandios aberwitzigen Figur des „Schocher“ (Christian Kaiser) landen: einem Einsiedler in den Bergen, der „Tote wieder lebendig macht“.

Hier entfaltet „Now or never“ sein volles Potenzial; hier zeigt sich auch, wie sorgfältig der Film in vielerlei Hinsicht gearbeitet ist. Und hier können die Protagonisten nicht mehr davonlaufen vor ihren Ängsten und ihrem Dasein, sondern müssen sich stellen – dem Tod, dem Leben, ihren Beziehungen zueinander. Das funktioniert gut, der Film balanciert vor allem in diesem seinem letzten Drittel gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen schwarzem Humor und echter Anteilnahme. Was dem Film leider fehlt, ist eine echte Diskussion zum umstrittenen Thema Sterbehilfe.

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