Ludwigshafen - Plötzlich kommt der Krieg nach Ludwigshafen – und Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist mittendrin. „Vom Himmel hoch“ heißt der „Tatort“, der an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird. Doch es geht nicht um das bekannte Adventslied von Martin Luther, sondern um den US-amerikanischen Drohnenkrieg und die umstrittene Rolle der Militärbasis Ramstein darin. In Zeiten terrorgeschützter Weihnachtsmärkte kann ein Krimi kaum aktueller sein.

Der Film von Regisseur Tom Bohn beginnt mit einem Fadenkreuz, das unruhig über Straßen und Dächer gleitet. Es erinnert an Drohneneinsätze. Ein Psychologe wird erschlagen in seiner Praxis gefunden. Schnell ist klar, dass das Motiv in seinem Beruf zu finden ist: Als Experte kümmerte sich der Therapeut um Menschen, die vom Krieg traumatisiert sind – etwa Heather Miller (Lena Drieschner). Hat die depressive US-Soldatin etwas mit der Tat zu tun? Oder war es der Kurde Mirhat Rojan (Cuco Wallraff), der bei einem amerikanischen Drohnenangriff im Irak seine beiden Kinder verlor und nun bei seinem Bruder Martin (Diego Wallraff) in Ludwigshafen lebt? Regisseur Bohn vermischt Opfer und Täter nicht – aber er zeigt, wie ähnlich sie sich sein können.

„Vom Himmel hoch“ funktioniert, weil Dialoge und Musik ausdrucksstark sind. „Es ist überhaupt nicht pervers, wenn sich auch Täter Hilfe holen. Der Krieg, der ist pervers“, heißt es im Krimi. „Ich denke, dass die moderne Kriegsführung ein Thema ist, was wieder näher auf unsere Republik zukommt“, sagt Regisseur Bohn. Lange habe sich Deutschland hinter Verbündeten verstecken können. „Aber dies scheint ja mit der neuen Außenpolitik der Amerikaner passé zu sein“, meint er mit Blick auf US-Präsident Donald Trump – dessen Vorfahren aus der Pfalz stammen.

„Es wird also Zeit, sich wieder mit der Landesverteidigung und den verbundenen Optionen zu beschäftigen.“ In diesen Zeiten, sagt Bohn, müsse Fernsehen politischer werden.