• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Vorurteile wirken bis heute nach

19.07.2019

Mainz Mit „Zigeunerjunge“ schaffte es Sängerin Alexandra Mitte der 1960er Jahre an die Spitze der deutschen Hitparaden. Sie bediente ein romantisch-überhöhtes Bild des Lebens der Volksgruppe mit zottligen Pferdchen, Lagerfeuer und Musik. Zugleich bestätigte sie die Vorbehalte der Mehrheitsgesellschaft, die das halbwüchsige Mädchen in dem Lied davon abhalten, den Jungen erneut zu treffen, den sie anhimmelt.

Das Lied fehlt in der Dokumentation „ZDF-History: Sinti und Roma. Eine deutsche Geschichte“. Was schade ist, denn die Vorurteile schlagen noch heute den Sinti und Roma entgegen, die vom Balkan nach Deutschland kommen. Autorin Annette von der Heyde konzentriert sich in der Tradition der Reihe auf die gemeinsame Geschichte von Deutschen und „Zigeunern“, wie die Volksgruppe von den Nazis und noch lange in der Alltagssprache verunglimpft wurde, in den vergangenen 100 Jahren. Das ZDF strahlt die 45-minütige Reportage am 28. Juli zu nächtlicher Zeit um 23.45 Uhr aus.

Die Mehrheit der deutschen Sinti und Roma, deren Vorfahren in zwei Wellen aus Indien und dem Osten Europas eingewandert waren, bestand aus Katholiken. Oskar Rose, Vater des heutigen Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose, wandte sich daher an den Münchner Erzbischof Kardinal Faulhaber, um Hilfe gegen die Verfolgung durch das NS-Regime zu erbitten. Doch der Geistliche empfing den verzweifelten Mann nicht. Eine Tagebuchnotiz zeigt, dass er von dem Anliegen des Bittstellers erfuhr. Wie die katholische Kirche heute zu dem Kapitel ihrer Geschichte steht, spart der Film leider aus. Klar ist: 500 000 Sinti und Roma wurden zwischen 1933 und 1945 zwangssterilisiert und in KZs drangsaliert und ermordet. Nach der Befreiung vom Faschismus blieb den Überlebenden die Anerkennung ihrer Leiden lange versagt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.