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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Ruhestand: Mister Brüssel wird zum „Easy Rider“

25.07.2016

Brüssel Journalisten schreiben oder reden üblicherweise so viel, dass keiner ihrer Sätze mit längerer Haltbarkeit gesegnet ist. Bei Rolf-Dieter Krause (65), der Ende Juli seinen Posten als Chef des ARD-Studios Brüssel räumt und in den Ruhestand geht, dürfte das anders sein: „Das ist ungewöhnlich dumm!“ – dieses Fazit nach dem Posten-Geschacher in der Folge der Europawahl 2014 bleibt.

Es ging um Jean-Claude Juncker und die Frage, ob der frühere Luxemburger Premier nach seinem Wahlsieg als Spitzenkandidat der Christdemokraten nun auch automatisch zum neuen Kommissionspräsidenten geadelt werden soll. Im Kreis der Staats- und Regierungschefs gab es Gegenstimmen, auch die Bundeskanzlerin distanzierte sich von Juncker, was bei der Pressekonferenz zu einem Wortgefecht mit dem ARD-Studioleiter führte, bis es Angela Merkel zu viel wurde und sie Krause zur Ordnung rief: „Ich glaube, dass wir jetzt sorgsam miteinander umgehen sollten.“ In seinem „Tagesthemen“-Kommentar sprach Krause jedoch am folgenden Abend von „Betrug an den Wählern“ und bilanzierte: „Das Spiel der Kanzlerin treibt den Europagegnern die Wähler zu. Dieses Spiel ist nicht nur eine Schande: Es ist ungewöhnlich dumm.“

Krause mag solche Auseinandersetzungen. Über einen guten Kommentar sagte er einmal: „Er teilt in der Mitte, die eine Hälfte stimmt zu, die andere schüttelt den Kopf und sagt: ,Der hat sie wohl nicht alle‘.“ Stimmt man dieser Definition zu, hat Krause, zu dessen Kennzeichen ein Halstuch, die Brille und eine raumfüllende Statur gehören, viele gute Kommentare gesprochen. Beispielsweise auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise, als er beim WDR-Kollegen Frank Plasberg („Hart aber Fair“) der Regierungspartei Syriza von Premier Alexis Tsipras vorwarf: „Wer so vorgeht, gehört zum Teufel gejagt.“

Dabei war Krause nie ein Apostel dieser EU. Als der gebürtige Lüneburger nach seinen Lehrjahren bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in Unna, Kamen und Hamm und beim WDR 1990 zum ersten Mal nach Brüssel kam, schrieb er kurz darauf ein Buch über die „14 Argumente gegen den Vertrag von Maastricht“. Dem Euro steht er noch immer skeptisch gegenüber.

1995 holte man ihn zunächst zum WDR nach Köln zurück, bevor er 2001 erneut nach Brüssel wechselte und die Leitung des Studios übernahm. Er wurde mit großen Preisen geehrt, 2012 zum „Journalist des Jahres“ gekürt und blieb immer eine Institution. Im Ruhestand will er endlich Motorrad fahren, ein Hobby, das in ihm steckt, „seit ich ‚Easy Rider’ gesehen habe“. Anfang August übernimmt sein WDR-Kollege Markus Preiß (38) den Job an der Spitze des ARD-Studios.

Detlef Drewes Redaktion Brüssel /
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