Münster - Am Grund des Swimmingpools liegt die Leiche der schönen Mona Lux. Noch gespenstischer wird die Eingangsszene des neuen Münster-„Tatort“-Krimis am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten nur durch den jungen Mann (mit großartig reduziertem Spiel: Robert Gwisdek), der stoisch über ihr seine Bahnen zieht. Er ist ein Autist, wie sich später herausstellen wird. Auch sein Blick ist starr, entrückt, durch nichts aus seinen Abläufen zu bringen.

Ihr aktueller Fall führt Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und den Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) nah an den Wahnsinn: In einem Therapiezentrum für psychisch Kranke suchen sie nach dem Mörder einer Femme fatale. Neben dem klassischen „Wer hat’s getan“ rückt die „Tatort“-Folge auch weitere Fragen in den Mittelpunkt: Was ist noch Genialität, und was ist schon Wahnsinn? Wer ist hier eigentlich irre?

Die Voraussetzungen für die Scharmützel zwischen den besten Feinden Thiel und Boerne könnten schöner nicht sein. Thiel ist schlecht gelaunt, Boerne übermotiviert – und das zwischen all den Wahnsinnigen. Auf Kosten der Bewohner des Hauses macht der Film seine politisch unkorrekten Witze. Die Spuren führen schnell hinaus aus der Wohlfühl-Klinik hinein in einen irren Steuersumpf. Bei alledem erliegen die Autoren (Christoph Silber, Thorsten Wettcke und André Erkau, letzter auch Regie) nicht der Gefahr, klamaukiges Wechselspiel und bissige Dialoge über die klug gesponnene Geschichte zu stellen. Die „Tatort“-Episode „Schwanensee“ ist spannend ihrer Geschichte wegen, Klamauk ist Kür.

Während Thiel und Boerne bei Verfolgungsjagden regelmäßig die Puste ausgeht, können sie auf Münsters Aasee, zur Hochform auflaufen. Es ist wohl die erste Verfolgungsjagd mit dem Tretboot in einem „Tatort“.