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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Krimi-Reihe: Mördersuche in unheimlichen Gefilden

30.11.2016

Stuttgart Am Ende stellen sich draußen in der Provinz noch einmal die großen Fragen: „Wofür es sich zu leben lohnt“ heißt der letzte „Tatort“ vom Bodensee, der im Ersten an diesem Sonntag (4. Dezember) ab 20.15 Uhr zu sehen ist.

Seit 2002 hat Klara Blum (Eva Mattes) in Konstanz ermittelt. Zwei Jahre später stieß ihr Kollege Kai Perlmann hinzu, gespielt von Sebastian Bezzel. Er ist längst mindestens so bekannt aus den nicht nur kulinarisch krachledernen Verfilmungen der bayerischen Regionalkrimis von Rita Falk – aus „Dampfnudelblues“, „Winterkartoffelknödel“ und „Schweinskopf al dente“.

Den Perlmann gab er stets etwas steifer, unterkühlter – ähnlich unterkühlt wie das Verhältnis der Ermittler zueinander und zur Kritik, die nur wenige Folgen aus den vergangenen Jahren lobenswert fand.

Die menschlichen Abgründe im ländlichen Raum erkunden und sich in die manchmal ohnehin arg bemühte politische Tradition der Krimireihe einzureihen, war selten das Anliegen der Fälle des Konstanzer Teams. Eher liefen die Ermittlungen von Blum und Perlmann zu Hochtouren auf, wenn die Abgeschiedenheit gleich zur isolierten, ja fast mythologischen Anderswelt wurde – der Internatskrimi „Herz aus Eis“ von 2009 ist etwa ein treffliches Beispiel dafür.

Nun, zum Schluss, als eine fiese Diagnose Klara Blum eigentlich zum Kürzertreten zwingen sollte, verschlingen sich noch einmal menschliche Universen ineinander, die sonst fein säuberlich getrennt bleiben: Ein bekannter Rechtspopulist ist auf geradezu rituelle Weise ermordet worden. Und während Witwe und Tochter erstarrt wie Puppen in seiner Villa weiter durch ihr Scheinleben staksen, treibt sein geschmücktes Totenschiff dem Schweizer Kommissar Lüthi (Roland Koch) in die Arme.

Der sucht gerade den Giftmörder eines Anlagebetrügers. Einem Billigtextilbaron rückt in seinem riesigen rundum verglasten Büro eine Menschenrechtsanwältin auf den Pelz, weil wieder Hunderte Arbeiter in einer Fabrik in Bangladesch zu Tode gekommen sind. Und Klara Blum findet auf der Suche nach einer seltenen Blüte drei ältere Frauen, die gemeinsam in einem großen Haus wohnen und den Einklang suchen mit Mensch und Natur. Was aber sucht Klara Blum? Vielleicht ja genau diesen Ort?

Drei große Fassbinder-Schauspielerinnen hat die Produktion hier versammelt: Hanna Schygulla, Irm Herrmann und Margit Carstensen. Schygullas Catharina ist die Geborgenheit versprechende, betörende Schamanin; Carstensens Margarethe vielleicht die verbitterte Kräuterhexe. Zwischen Unheimlichkeit und Anziehung flirrt die Luft . . .

Die Autoren Sathyan Ramesh und Aelrun Goette interessieren sich für die Widersprüche im Menschen; ihnen räumen sie mehr Zeit ein als dem kriminalistischen Aspekt ihrer Geschichte. Minutenlang müht sich der Textilunternehmer Maximilian Heinrich (Matthias Habich) ab, um als Clown Kinder im Rollstuhl zum Lachen oder wenigstens zum Lächeln zu bringen. Sieht so ein skrupelloser Geschäftsmann aus?

Diese ist eine der Fragen, die keine vereinfachte, überdeutliche Antwort erhalten, die nicht zum Ziel führen müssen, die zeigen, dass dieser einer der „Tatorte“ ist, in denen das Auffinden des Täters nicht zum Wesentlichen gehört.

Die stärkeren Filme dieser Reihe waren immer schon die, die den Zuschauer am Ende ins Offene entließen wie hier Klara Blum, die davonfährt in eine Zukunft, die womöglich Tee und Kräuter und Blumen haben wird, aber keine Mörder mehr.

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