München - Sie ist „crazy Pola“, attraktiv, wild und verrückt. Ein Rockstar eben. Auch wenn ihre Karriere zuletzt nur noch so dahindümpelte, hält sich die Sängerin für unwiderstehlich und lebt Launen und Gefühle hemmungslos aus. Peinlich, findet ihre Tochter Jenny, die trotz Panikattacken eine gutorganisierte, zielstrebige BWL-Studentin ist, der komplette Gegenentwurf zu ihrer Mutter.

Als die Frauen in Polas Finca auf der spanischen Insel Mallorca unerwartet aufeinandertreffen, kommt es zum Eklat, bei dem sich enttäuschte Erwartungen, verletzte Gefühle und jahrelang aufgestauter Frust Bahn brechen.

„Nachts baden“ ist ein sehenswerter Fernsehfilm in der Hitze des spanischen Sommers mit Maria Furtwängler und Tijan Marei in den Hauptrollen, zu sehen an diesem Mittwoch im Ersten.

Regisseurin Ariane Zeller hat ein emotionales und intensives Mutter-Tochter-Drama inszeniert, ruhig erzählt und mit schöner Musik. Auch Maria Furtwängler greift zur Gitarre und singt, ein sehr intimer Moment voller Sehnsucht und Hingabe, aber selten.

Meistens ist Pola einfach nur anstrengend und Jenny unglaublich genervt. „Eine wahnsinnig coole Mami, die nur stresst, alles dreht sich immer nur um sie und ihre verdammte Show“, schimpft die 21-Jährige. „Das letzte Mal hat sie mir den Abiball versaut.“ Pola dagegen hält die Studentin für verklemmt, spießig, eine Spaßbremse, nicht zuletzt, weil sie nicht verstehen kann, warum Jenny mit ihrem mitgereisten Kommilitonen Kasimir (Jonathan Berlin) keine Affäre beginnt.

Furtwängler hat die Rolle der durchgeknallten Rocksängerin genossen. „Sie ist von so einer lässigen Exaltiertheit, ihr ist nichts peinlich“, sagte die Schauspielerin. Als Pola durfte sie sich hemmungslos ausleben.

„Nachts baden“ nimmt sich Zeit, auf die Befindlichkeiten der Figuren einzugehen und hat viele intime, nachdenkliche Momente. Hinter Polas aufgeregter Betriebsamkeit verbirgt sich eine Frau, die sich nach Liebe und Anerkennung sehnt, die aber nicht akzeptieren kann, dass ihre Tochter so ganz anders ist als sie.