MüNCHEN - Karin Anselm wollte es allen beweisen: Auch Frauen können Kriminalfälle auf dem Bildschirm lösen. Mit diesem Ziel stieg sie 1980 als Kommissarin aus dem Südwesten in den ARD- „Tatort“ ein – damals eine absolute Männerdomäne.
Sie war erst die zweite Frau nach Nicole Heesters, die beim „Tatort“ ermittelte. Von 1980 bis zu ihrem Serienausstieg 1988 war sie auch die einzige – Kolleginnen gab es zu der Zeit nicht. Dabei hatte sie als Kommissarin Hanne Wiegand oft nicht einmal einen Assistenten. Ihre besonnene, kühle Art machte sie bald zu Deutschlands TV-Kommissarin Nummer eins. Am heutigen Freitag wird die Pionierin in der Männer-Krimiwelt 70 Jahre alt.
Sie hatte es allen bewiesen – und verabschiedete sich wieder vom „Tatort“, weil sie nicht zu sehr mit dieser einen Rolle identifiziert werden wollte, wie sie damals sagte. Außerdem wollte sie wieder häufiger ans Theater zurück, dorthin, wo alles angefangen hatte.
Obwohl sie einem breiten Publikum vor allem als Seriendarstellerin bekannt ist, war sie ganz klassisch in das Metier eingestiegen. Schon mit zwölf Jahren stand die gebürtige Hamburgerin zum ersten Mal vor der Kamera. Nach der Schule studierte sie an der Hochschule für Musik und Schauspiel in der Hansestadt. Ihr erstes Engagement winkte schon 1959 am E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg.
Von dort ging es nach Regensburg, Bern und Göttingen. Seit 1966 kamen immer wieder Angebote fürs Fernsehen. Das brachte ihr auch die Rolle, mit der sie sich neben dem „Tatort“ bis heute am stärksten in viele Zuschauer-Gedächtnisse eingeprägt hat. Anfang der 1970er Jahre spielte sie an der Seite von Horst Janson in der Serie „Der Bastian“ eine junge Ärztin. Es folgten unzählige Rollen. Zu ihren Markenzeichen gehören bis heute ihre blonden, meist kurz geschnittenen Haare.
In den vergangenen Jahren war Anselm eher selten auf den Bildschirmen zu sehen. Dafür hat sie sich umso mehr als Sprecherin von Hörspielen einen Namen gemacht und ist auf Theatertourneen unterwegs. Privat ist über sie so gut wie nichts zu erfahren.
