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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Naturbursche mit markanter Stimme

30.05.2017

Duderstadt Ob Kreuzspinne, Regenwurm oder Berggorilla – sie lagen ihm alle am Herzen. Mit seinen Filmen und Büchern hat Heinz Sielmann für die Natur begeistert, den Blick für scheinbar Unbedeutendes geschärft. Vor 100 Jahren, am 2. Juni 1917, wurde er in Rheydt bei Mönchengladbach geboren, er starb 2006. Vor allem die Fernseh-Serie „Expeditionen ins Tierreich“ machte ihn bekannt: Mit markanter Stimme, freundlichem Blick und bisweilen leicht humorvollem Unterton sprach er den Zuschauer direkt an – Naturbursche mit einem Hauch Gentleman. Rund 170 Folgen drehte er von 1960 bis 1991 für die ARD.

Er sei glücklich über sein langes Leben in der Natur, sagte Heinz Sielmann einmal. Und dieses Natur-Leben begann in der Kindheit. Schon der Schuljunge stromerte am liebsten draußen herum, beobachtete Vögel – besonders faszinierten ihn die Schnepfen. Er zeichnete seine Beobachtungen auf, machte Fotos.

Als er sieben Jahre alt war, 1924, zog die Familie nach Ostpreußen. Dort unternahm Paul Sielmann, ein naturbegeisterter Chemiker, mit seinem Sohn ausgedehnte Erkundungstouren. Zum Abitur bekam Heinz eine Filmkamera. Mit ihr drehte er 1938 seinen ersten – von Fachleuten gelobten – Dokumentarfilm „Vögel über Haff und Wiesen“.

Von da an wollte Sielmann nur noch eines – Biologie und Bilder verbinden. Doch bevor der Hobby-Ornithologe durchstarten konnte, wurde er 1939 zum Wehrdienst eingezogen, zwischenzeitlich für ein Biologiestudium freigestellt. 1944 geriet er auf Kreta in britische Gefangenschaft und übergab sein Filmmaterial über die dortige Vogelwelt den Briten. Bis 1947 blieb Heinz Sielmann in London und wurde von dort an das „Institut für Film und Bild im Unterricht“ in Hamburg vermittelt.

International bekannt wurde der Tierfilmpionier 1954 durch „Zimmerleute des Waldes“, ein Film über Spechte. Ungewöhnlich und neu war die von Sielmann konstruierte Parallelhöhle, von der aus die Spechte bei der Brutpflege „hautnah“ gefilmt werden konnten.

Er unternahm ausgedehnte Expeditionen, filmte in der Arktis wie in Afrika, in Neuguinea und Australien. „Ein guter Tierfilmer braucht Geduld und Kenntnisse“, wusste Sielmann, der beides besaß. Fünf Monate zeichnete er 1963 unter schwierigsten Bedingungen im Hochland von Papua-Neuguinea das Balzverhalten von Paradiesvogelarten auf, wartete bei Hitze und Monsunregen geduldig auf den richtigen Moment.

Im Laufe der Jahre wurde für Heinz Sielmann der Naturschutz immer wichtiger, er war für ihn „positive Lebensphilosophie“. Mit seiner Frau Inge, die er 1951 beim NDR kennengelernt hatte, gründete er 1994 die „Heinz-Sielmann-Stiftung“ mit Sitz auf Gut Herbigshagen in Duderstadt östlich von Göttingen. Sie will die Menschen für einen bewussten Umgang mit Natur und Umwelt sensibilisieren und seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten. Einen Anstoß zur Stiftungsgründung hatte auch der Unfalltod von Sielmanns Sohn Stefan bei einer Expedition in Kenia gegeben.

Für seine Arbeit als Wissenschaftler und Filmer wie auch für sein Engagement als Natur- und Tierschützer ist Sielmann mit vielen Preisen ausgezeichnet worden: von Bambi und Bundesverdienstkreuz über die Franz-von Assisi-Medaille zum Deutschen Umweltpreis. Zum 100. Geburtstag erscheint eine 45-Cent-Briefmarke, die ihn bei der Arbeit zeigt – Sielmann hinter der Kamera, einen Gänsevogel vor der Linse.

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