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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Bausünden In Norddeutschland: Breite Trassen für die autogerechte Stadt

26.05.2020

Bremen /Hannover Warum sind die Ränder der Innenstädte eigentlich so hässlich? Weil die norddeutschen Großstädte in den 50er und 60er Jahren zugunsten der autogerechten Stadt umgestaltet wurden, sagen die Filmemacher Susanne Brahms und Rainer Krause. Sie haben für die NDR-Reihe „Unsere Geschichte“ den Film „Von Bausünden und Bürgerprotest“ gedreht, der den „Wiederaufbau“ von Bremen, Hamburg und Hannover nach dem Zweiten Weltkrieg zum Thema hat.

Was der Bombenkrieg nicht zerstört hatte, übernahmen jetzt die Städteplaner. Die Filmautoren sprechen von einem Hass der Planer auf die alten Städte. In Hannover galt der Stadtplaner Rudolf Hillebrecht als beispielgebend. Abriss der alten Bausubstanz zugunsten funktionaler Gebäude und Fassaden, dafür breite Trassen für das Auto, die in einem System von Tangenten mit großen Kreisverkehren eine Art innerstädtische Ortsumgehung bildeten.

Dass dafür ein aus dem 19. Jahrhundert stammendes, schlossähnliches Gebäude, die Flusswasserkunst am Hauptarm der Leine, für eine Rechtsabbiegerspur weichen musste, empört den heutigen Betrachter. Dabei finden nicht alle schlimm, was über Hannover hereinbrach. Die Filmemacher lassen den langjährigen Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg zu Wort kommen, der den heutigen Zustand keinesfalls skandalös findet. Er spricht gar von einem „Gewinn für Hannover“. Vielleicht so ein Gewinn wie das Friederikenschlösschen, das 1966 abgerissen wurde, um für eine (nicht gebaute) Staatskanzlei Platz zu machen.

Auch in Bremen war nach dem Bombenkrieg das Gesicht der mittelalterlichen Stadt noch erkennbar. Aber auch an der Weser wich ein großer Teil der erhaltenen mittelalterlichen Struktur oder das repräsentative Lloyd-Gebäude (19. Jahrhundert) für Parkhäuser oder Kaufhäuser mit Einheitsfassaden. Opfer der Parkhäuser und Autostraßen: unter anderem zwei mittelalterliche Klöster. In Hamburg sorgte der Stadtplaner Konrad May mit Abriss eines kleinbürgerlichen und proletarischen Viertels für ein „modernes“ Altona und einen späteren Problembezirk.

Die Autoren führen noch manche andere unfassbare Bausünde der Nachkriegszeit aus norddeutschen Städten an: von Hameln (Abriss von einem Drittel der mittelalterlichen Stadt für ein Kaufhaus), Greifswald (Abriss der mittelalterlichen Bausubstanz zu DDR-Zeiten) oder Göttingen (Abriss der aus dem Jahr 1733 stammenden Universitätsreithalle).

In Hildesheim gelang es immerhin, anstelle eines Sechzigerjahre-Betonklotzes ein Replikat des mittelalterlichen Knochenhaueramts-hauses zu errichten. Das war Mitte der Achtzigerjahre schon, als die Erkenntnis einsetzte, dass die schöne, neue Stadt allzu oft zum Problemquartier der Gegenwart geworden war: Wo die für die Auto-Funktionalität geschaffene Architektur Orte ohne Aufenthaltswert geschaffen hatte. Unbedingt sehenswert.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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