Bremerhaven - Was für ein Zufall: Eine der Hauptverdächtigen in diesem „Tatort“, der in der Autotuner-Szene spielt, ist die kleine Schwester von Kommissarin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer). Damit rückt die Bremer Kommissarin, die diesmal in Bremerhaven auf Mörderjagd geht, aber ziemlich spät heraus – logo, die Beamtin will ihre Schwester Marie, die eigentlich nur ihre Halbschwester ist, schützen.
Auch den örtlichen Kollegen Robert Petersen (Patrick Güldenberg) kennt die toughe Moormann noch von früher, denn sie stammt aus Bremerhaven und kommt aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die in Gestalt der verwahrlosten Mutter vorgeführt werden, die volltrunken fremde Männer nach Hause bringt, um sich mit ihnen lautstark im Bett zu vergnügen – so will es eines der Klischees, von denen es im Krimi „Tatort: Donuts“ an diesem Sonntag (20.15 Uhr/Das Erste) einige gibt.
Plot überzeugt nicht
Zufälle hin, Klischees her, vielleicht überzeugt ja der Plot um den brutalen Mord an einem rumänischen Kraftfahrer, der im größten Autoumschlaghafen Europas arbeitet und eines Tages tot im Kofferraum eines Wagens liegt?
Tut er leider nicht, die von Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Ko ausgedachte Story ist reichlich dünn. Wenigstens gibt es tolle Bilder des imposanten Autohafens mit Tausenden Neuwagen aus der Vogelperspektive und auch ein bisschen Action, was für einen deutschen Sonntagskrimi bemerkenswert ist.
Doch das reicht unter dem Strich leider nicht für einen guten „Tatort“, in dem Kommissarin Moormann ohne ihren Kollegen Mads Andersen (Dar Salim) und die meiste Zeit auch ohne Gerichtsmedizinerin Linda Selb (Luise Wolfram) auskommen muss, denn die beiden sind irgendwie bei Europol in Brüssel im Einsatz, bleiben mit ihrer Kollegin aber via Videotelefonie in Verbindung. Man darf gespannt sein, wie es mit dem Bremer Team weitergeht.
Eine erste Spur führt Liv Moormann und Robert Petersen zum Neffen des Opfers, den jungen Autotuner Gheorghe Rusu (Adrian But), dessen Bruder Oleg (Jonas Halbfas) und eben Moormanns kleiner Schwester Marie (Luisa Böse), die im Autohafen heimlich Wagen für nächtliche Spritztouren durch Bremerhaven mitgehen lassen und dabei auch gern mal mit durchdrehenden Reifen Kreise drehen und Gummispuren auf den Asphalt brennen.
Nach diesen „Donuts“ genannten Fahrmanövern ist dieser „Tatort“ schließlich benannt. Gheorghe hat einen sündhaft Sportwagen in seiner Werkstatt stehen, der angeblich seinem Onkel gehörte und den er als sein rechtmäßiges Erbe betrachtet, das er zu Geld machen will.
Heimliche Spritztouren
Zunächst viel wichtiger ist ein anderes, schwer aufgemotztes Auto, mit dem das Tuning-Trio in der Mordnacht unterwegs war und das am Tatort gesehen wurde. Hat Gheorghe etwas mit dem Mord an seinem Onkel zu tun und welche Rolle spielt der zwielichtige Betreiber einer Kartbahn, auf der Moormanns rennfahrerisch begabte Halbschwester Marie manchmal ihre Runden dreht?
