München - Im Schatten ihres berühmten Mannes – so sahen sie viele. Simone Rethel selbst hat das nie so empfunden. Zweieinhalb Jahre nach dem Tod von Johannes Heesters setzt die Schauspielerin und Künstlerin unbeirrt ihre eigene Karriere fort. Sie steht auf der Bühne, schreibt Bücher, plant ein TV-Projekt sowie Ausstellungen ihrer Bilder und Fotografien. Dabei allerdings folgt sie ganz ihrem „Jopie“: Nicht mehr arbeiten kommt für sie nicht infrage – obwohl sie jetzt das Rentenalter erreicht. An diesem Sonntag wird sie 65 Jahre alt.

Seit dem vergangenen Jahr spielt sie in dem Stück „Der Kurschattenmann“, im August beginnt eine neue Tournee. „Das läuft sensationell“, sagt sie. Auch ein Buch ist geplant, aber Genaues will sie nicht verraten: „Es hat etwas mit dem Älterwerden zu tun – mit positivem Älterwerden.“

Das Wort „Ruhestand“ gefällt Rethel gar nicht. „Wenn wir weiterarbeiten würden, hätten wir viel gesündere alte Menschen, körperlich und geistig. Das Aufhören führt nämlich dazu, dass man aufhört, am Leben teilzunehmen.“

Johannes Heesters hat das in Extremform vorgelebt. Er starb Heiligabend 2011 im Alter von 108 Jahren – und stand praktisch bis zuletzt auf der Bühne. Rethel hatte schon als Kind für Heesters geschwärmt. Mit elf Jahren sah sie ihn erstmals im Fernsehen – und war hin und weg. Früh zeigt die Tochter eines Innenarchitekten und Bühnenbildners und einer Fotografin auch selbst Begabung für die Bühne. Nach einer Schulaufführung rät eine Lehrerin ihr zur Schauspielerei.

Mit 16 Jahren debütiert sie unter der Regie von Axel von Ambesser als Hauptdarstellerin in dem Film „Die fromme Helene“. Sie spielt vor allem an Boulevard-Bühnen. Oft ist sie an der „Kleinen Komödie“ in München zu sehen, Gastspiele führen sie ans Berliner Renaissance-Theater, an die Düsseldorfer Komödie und nach Hamburg ins Thalia-Theater. Im TV spielt sie in Serien wie „Derrick“, „Der Alte“ und „Diese Drombuschs“ und steht in Kinofilmen wie „Der Lord von Barmbeck“ und „Der Pfingstausflug“ vor der Kamera. Und immer wieder trifft sie beruflich ihren Jugendschwarm Heesters.

Rethel ist 42 Jahre alt, als beide 1992 in aller Stille in Starnberg heiraten; der Bräutigam ist mehr als doppelt so alt. Andere empfänden den Altersunterschied viel stärker, hat Rethel mehrfach gesagt.

Nach der Hochzeit ist sie selten auf Bühne, Leinwand oder im Fernsehen präsent. Heesters’ Auftritte haben Vorrang. „Poppie“, wie er sie nennt, begleitet ihn, führt ihn, wiederholt Fragen, die er – schon etwas schwerhörig – nicht versteht.

Nach seinem Tod denkt sie nun an sich: „Ich bin richtig dabei, ein bisschen an meinem Comeback zu basteln“, sagt sie. Und wenn sie gesund bleibe, wolle sie gern so alt werden wie ihr Mann.