Oldenburg - Um Macht, Intrigen und die ständige Angst vor dem Feind geht es in den nächsten beiden TV-Serien unserer Reihe. Erstmals hat es eine deutsche Produktion in die Auswahl geschafft.

Deutschland 83

Der Kalte Krieg zwischen Ost und West war in den frühen 1980er Jahren näher als je zuvor daran, ein heißer Krieg zu werden. Aus Angst vor Nato-Manövern schleust die DDR-Regierung den jungen Grenzsoldaten Martin Rauch als Spion in die Bundeswehr ein. Im Schatten eines möglichen Dritten Weltkriegs infil­triert er als Adjutant eines ranghohen Generals das bundesdeutsche Militär und versucht, der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn die brisanten Informationen zuzuspielen. Doch auch privat geht es in Martins Leben nicht ruhig zu – seine Freundin erwartet ein Kind, und seine Mutter hat mit einer schweren Krankheit zu kämpfen.

Also endlich mal eine gute deutsche Serie? Ja, es ist endlich mal eine Serie, die sich etwas traut. „Deutschland 83“ ist spannend und gewinnt durch die nötige Charaktertiefe an Fahrt. Die Darsteller sind allesamt überzeugend und spielen ihre zum Teil sehr ambivalenten Rollen in Perfektion. Dazu passt das interessante Setting. Die Serie gibt tiefe Einblicke in die deutsch-deutsche Rivalität und die Paranoia und Angst der DDR-Regierung vor einem Erstschlag der Nato. Sie traut sich auch brutale und unbekannte Bilder zu zeigen, die man so nur aus Hollywood kennt. Gerade weil RTL die Serie relativ unterschwellig vermarktet hat, kann man umso froher sein, dass sich Amazon die Rechte an einer möglichen Fortsetzung gesichert hat, die dann „Deutschland 86“ heißen soll.

Alle Folgen kostenlos bei Amazon Video abrufbar. Bislang gibt es eine Staffel, eine weitere ist geplant.

House of Cards

Kongressabgeordneter Frank Underwood lenkt als „Majority Whip” die Geschicke der Demokraten im Weißen Haus. Doch der Politiker verfolgt zusammen mit seiner nicht weniger ehrgeizigen Frau eigene Ziele: Durch Intrigen, Korruption und Mord wollen beide die Macht in Washington an sich reißen und zum Präsidentenpaar werden.

Und warum ist „House of Cards“ so anders als all die anderen Politik-Thriller? Weil der Hauptdarsteller mit dem Zuschauer redet. Ja, in „House of Cards“ wird die vierte Wand durchbrochen – und könnte es für so etwas einen besseren Darsteller als Kevin Spacey geben? Die klare Antwort lautet Nein! Mit unfassbarer Präzision spielt Spacey einen durchtriebenen und machthungrigen Politiker, der, um seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen, auch über Leichen geht. Genauso genial ist aber die Darstellung seiner Ehefrau Claire. Robin Wright ist die perfekte Besetzung für die eiskalt berechnende Ehefrau. Zusammen ergeben die Protagonisten ein kongeniales Duo, dem man von Folge zu Folge mit immer böserem Vergnügen zuschaut. Hinter der Serie steckt übrigens niemand geringerer als David Fincher („Sieben“, „Fight Club“).

Alle Folgen sind kostenlos abrufbar bei Netflix. Bislang sind vier Staffeln online, eine fünfte ist in Produktion.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland