München - Ein rappender Anwalt mit griechischen Wurzeln im Mannheimer Multikulti-Kiez – das ist „Dimitrios Schulze“. Die ARD kündigt den Protagonisten des Films vollmundig als den neuen „Liebling Kreuzberg“ an. Mit Köpfchen, großer Klappe, viel Herz und gern auch am Rande der Legalität kämpft der Anwalt Dimitrios Schulze (Adam Bousdoukos) für seine Mandanten. Zu sehen ist der Pilotfilm einer geplanten Serie am Donnerstag um 20.15 Uhr im Ersten.
Unkonventionell
Mit Videoclips und Rapmusik macht Dimitrios Schulze – genannt Dimi – Werbung für sich und seine Hinterhof-Kanzlei. „Ich bin der Bro, den ihr braucht“, singt er beispielsweise, oder „Ich bin einer von euch, hab’ nur Jura studiert“.
Die drogenabhängige Schmuckdiebin Samira (Gizem Emre) braucht ebenso Dimis Hilfe wie die Handwerkerin Alexa (Katharina Hauter), die einen Toten in ihrem Transporter entdeckt. Um seine Schützlinge vor einem allzu strengen Urteil der Ermittlungsrichterin Eszter Petöfi (Eleonore Weisgerber) zu bewahren, setzt der ungewöhnliche Anwalt auf Kronzeugendeals oder schraubt ein wenig an der Faktenlage.
„Er ist auch ein Trickser und mit allen Wassern gewaschen“, sagte Hauptdarsteller Bousdoukos kürzlich in einem ARD-Interview über die Figur des Schulze. „Er ist überzeugt davon, dass in den Leuten, die Scheiße gebaut haben, immer etwas Gutes schlummert, dass sie nie so böse sind, wie sie dargestellt werden. Das aufzudecken treibt ihn an.“
So unkonventionell, wie Dimi arbeitet, ist auch sein Privatleben. Der Anwalt lebt mit seiner Mutter Helena (Despina Pajanou), seiner Schwester und seiner Nichte zusammen, hilft der Mutter in ihrem kleinen Lebensmittelladen und hat Beziehungsstress mit Freundin Abeo (Zodwa Selele). Die ist nämlich eifersüchtig auf Dimis Ex, die Anwältin Laura Pellegrini (Liane Forestieri).
Wegen Laura hat sich Dimi einst mit seinem Kumpel Sultan Cakmak (Kida Khodr Ramadan) zerstritten, der als Ermittler nun eine Privatfehde mit Dimi austrägt – und dessen Mutter beispielsweise das Gewerbeaufsichtsamt auf den Hals hetzt.
Schließlich setzt Sultan sogar Ermittlungen in Gang, nach denen Dimi seine Juraprüfung nur mit unlauteren Mitteln bestanden haben soll. „Du bist gar kein Anwalt, sondern nur ein griechischer Gemüsehändler“, schimpft Sultan.
Bemüht lustig
Das Drehbuch zu „Dimitrios Schulze“ hat der schwäbische Autor Fred Breinersdorfer geschrieben, der selbst Jurist ist. „Dimis“ gebe es überall, findet Breinersdorfer: „Es sind die Sich-selbst-Erfinder, die fähigen und trickreichen Großmäuler, die charmanten, augenzwinkernden Durchwurstler. Sie eint eines: ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit.“ Regie führte Cüneyt Kaya.
Mit der geplanten Serie „Dimitrios Schulze“ hat sich das Erste erkennbar bemüht, mal einen etwas untypischen Donnerstagskrimi zu schaffen. Aber leider bleibt es beim Bemühen. Alles ist bemüht lustig und bemüht absurd – mehr Klamauk denn Krimikomödie.
Die Filmmutter des Hauptprotagonisten, Despina Pajanou, hat mehr Krimi-Erfahrung als ihr Filius: Die 58-Jährige wirkte bis 2007 in 86 Folgen der RTL-Reihe „Doppelter Einsatz“ mit.
