ROT AM SEE - Als „Percy Stuart“ wurde er berühmt, Waren Beatty und Elvis Presley lieh er seine markant-sonore Stimme. Doch die Leidenschaft von Claus Wilcke blieb immer das Theater. Am 12. August wird der Schauspieler 70 Jahre alt.

Seinen Geburtstag will Wilcke im Freundeskreis feiern. Denn der Schauspieler steckt mitten in Proben: In 85 Vorstellungen wird er bis zum Jahresende im Kleinen Theater Bad Godesberg und an wechselnden Orten Alfred Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ servieren. Seit Jahren lebt der 1939 in Bremen geborene Wilcke in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall).

Ausbildung in Bremen

Den Grundstein für den späteren Erfolg legte Wilcke mit einer klassischen Theaterausbildung in seiner Heimatstadt Bremen. Bereits das folgende Engagement an den Münchner Kammerspielen brachte den Durchbruch. Im Alter von 19 Jahren wurde Wilcke dort 1958 für die Hauptrolle in dem Film „Meine 99 Bräute“ entdeckt.

Trotz der darauf folgenden Film- und Fernsehkarriere blieb das Theater Wilckes Passion. Die führte ihn an fast alle namhaften Häuser und in alle Rollen vom Klassiker bis zur Boulevardkomödie. Am liebsten spielt der Mann mit dem dunklen Teint und den schlohweißen Haaren in den großen Sälen, wo er seine Sprache richtig einsetzen kann.

„Die Stimme ist das Werkzeug eines Schauspielers“, ist Wilcke überzeugt. „Ich muss auf meinen Stimmbändern spielen können wie auf einer Stradivari.“ Das kostbare Instrument Wilckes blieb den Synchronstudios nicht verborgen. In „Lawrence von Arabien“ sprach er Omar Sharif. Wilcke war die deutsche Stimme von Michael Landon in „Unsere kleine Farm“ und erklärte die „Abenteuer Erde“ des Westdeutschen Rundfunks. Jüngere kennen ihn als König Julius den 111. aus dem Hörspiel „Hui Buh – Das Schlossgespenst“.

Daneben war Wilcke in zahlreichen TV-Serien zu sehen, wie den „Sylter Geschichten“, „Tatort“, „In aller Freundschaft“, „Das Traumschiff“ oder „Die Rettungsflieger“.

„Percy Stuart war der Anfang“, erzählt er. Zwischen 20 und 22 Millionen Menschen schalteten Ende der 60er Jahre die Serie über den amerikanischen Multimillionär ein. „Davon träumt man heute nur noch.“ Weniger bekannt ist das karitative Wirken Claus Wilckes: „Seit 15 Jahren besuche ich Alten- und Pflegeheime, wann immer ich ein paar Stunden Zeit habe.“

Seine Motivation: „Jeder Mensch hat eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft.“ Vor der Wiedervereinigung verhalf Wilcke an der innerdeutschen Grenze mehr als 250 Menschen zur Flucht, indem er Pässe ähnlich aussehender Bundesbürger mitnahm oder sie anstelle des Benzintanks in seinem Auto schmuggelte. Die Gagen seiner Auftritte in der DDR überließ er Ostkollegen.

Neue Lebensgefährtin

Zuletzt hatte der Schauspieler vor allem mit der Scheidung von seiner dritten Ehefrau Janine Schlagzeilen gemacht. Dabei habe man sich eigentlich in aller Freundschaft getrennt, berichtet Wilcke. Am 1. September will nun seine neue Partnerin, eine 36-jährige Diplom-Kosmetikerin, bei ihm einziehen.

Ans Aufhören denkt der Schauspieler trotz neuer Liebe und dem bevorstehenden runden Geburtstag nicht. Denn für die kommenden Lebensjahre wünscht sich Claus Wilcke „weiterhin viel, viel Arbeit, Zeit mit der Familie und vor allem Gesundheit.“