Mainz - Wer 50 wird, steckt oft noch in der Midlife Crisis. Das ZDF will zu seinem 50. Geburtstag dagegen richtig durchstarten – trotz harter Sparauflagen. Gerade erst hat das Zweite mit dem vielgerühmten Kriegs-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ für Aufsehen gesorgt. 2012 war das ZDF die Nummer eins bei der Quote – auch dank Olympia. Zugleich ist der öffentlich-rechtliche Sender aber seit Januar mit Vorwürfen früherer Schleichwerbung beim Flaggschiff „Wetten, dass..?“ in den Schlagzeilen gewesen – und mit dem Aus für ZDFkultur.
Alles fing 1961 an, als das Bundesverfassungsgericht eine Länder-Fernsehanstalt zuließ. Die Ministerpräsidenten beschlossen ein zweites TV-Programm. Am 1. April 1963 ging das ZDF auf Sendung, noch in Schwarz-Weiß, aus Baracken in Eschborn bei Frankfurt. Nach einer musikalischen Einstimmung begrüßte Gründungsintendant Karl Holzamer die Zuschauer um 19.30 Uhr, dann folgten „heute“-Nachrichten und die Show „Berlin Melodie“. Um 21.54 Uhr war für den ersten Tag Sendeschluss.
1964 zog das ZDF nach Wiesbaden, zehn Jahre später ging das Sendezentrum auf dem Mainzer Lerchenberg in Betrieb. Mit der Eröffnung des neuen Sendezentrums 1984 waren alle Redaktionen samt Technik und Verwaltung auf dem eine Million Quadratmeter großen Gelände gebündelt. Im Jahr 2000 öffnete das Hauptstadtstudio in Berlin. Inzwischen hat das ZDF rund 3600 feste Mitarbeiter. Die Senderfamilie besteht nicht nur aus dem Zweiten, sondern auch aus den Digitalkanälen ZDFneo, ZDFinfo und – noch – ZDFkultur sowie den Partnerkanälen 3sat, Arte, KiKA und Phoenix.
Für ZDF-Intendant Thomas Bellut war der erste Platz bei der Quote sicher das größte Geschenk zum 50. Geburtstag seines Senders. „Der große Zuspruch freut uns sehr, dennoch halten wir den Ball auch zum Jubiläum lieber flach“, sagt der 58-Jährige. Bellut will weiter auf Information und Unterhaltung setzen, aber das Programm verjüngen. Dafür sollen Serien wie „Forsthaus Falkenau“ und „Der Landarzt“ verschwinden – das war bei älteren Zuschauern auf Kritik gestoßen. Doch das ZDF verweist darauf, dass auch mal Neues her muss. Einige neue Krimis sind schon angelaufen. Für Shows sucht das ZDF noch Ideen.
Bis 2016 sollen maximal 400 Stellen abgebaut werden, um Personalkosten von 75 Millionen Euro einzusparen – eine Vorgabe der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF). Deshalb soll auch der Experimentier- und Musikkanal ZDFkultur vom Bildschirm verschwinden.
Die Mainzelmännchen haben ebenfalls Geburtstag: Sie werden am 2. April 50 Jahre alt. An ihrem Geburtstag gibt es die Originale auf dem Bildschirm zu sehen.
