• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Fernsehen: Doku fragt: „Wo bleibt die Pille für den Mann?“

23.05.2020

Straßburg Der Penis und der leere Hodensack hängen aus einem Loch im Slip, die Hoden selbst werden über einen Ring in den Körper gedrückt. Drei Monate lang, 15 Stunden am Tag soll man(n) diese selbstgeschneiderten Unterhosen tragen, dann habe die Körpertemperatur die Spermien zerstört. Eine Art Selbsthilfegruppe aus mehreren Franzosen hat die Wäsche zur Verhütung designt.

Zu Revolution bereit

Sie ist nur ein Ansatz, Männern eine Alternative zum Kondom zu bieten und ihnen somit Verantwortung beim Kinderkriegen zu überlassen: Ein Testosteron-Gel, aufgetragen auf die Schultern, könnte eine andere sein. Forscher arbeiten an einem Präparat mit Vitaminbeigabe. Oder an einem Kunststoffgel, per Spritze in den Samenleiter injiziert, das unter anderem die Spermienköpfe durch elektrische Ladungen zerstört.

Der deutsch-französische Fernsehsender Arte verknüpft am kommenden Dienstagabend, 26. Mai (20.15 Uhr), das 60-jährige Marktbestehen der Antibabypille mit der Frage der Gleichberechtigung: „60 Jahre Pille – Wo bleibt die Pille für den Mann?“ Und es wird deutlich, dass das bei Weitem nicht nur eine Frage von Biologie, Medizin oder Pharmazie ist, sondern auch der Soziologie, der Gesellschaft. „Wenn männliche Verhütung selbstverständlich und marktfähig würde, dann würde sich einiges verändern“, resümiert die Sprecherin. „Männer müssten zum Männerarzt gehen, Rollenbilder stünden infrage.“ Geht es um ein Gefühl von Stärke, gekränkte Männlichkeit, Eitelkeit, Stolz?

Kirsten Esch blickt für ihre Dokumentation in den August 1960, als in den USA die erste Pille für die Frau auf den Markt kommt. Ein Jahr später ist es in Deutschland so weit. Schwarz-Weiß-Aufnahmen von damals zeigen die heute aberwitzig klingenden Erwartungen in der Bevölkerung: von zügellosen Frauen und davon völlig überforderten Männern. Die Kirche: erzürnt. Die Frauen aber selbstbestimmter. Bereit, eine Revolution zu wagen, deren (gesellschaftliche) Sprengkraft manch eine mit der Atombombe vergleicht.

Der Film beleuchtet in anderthalb Stunden mithilfe von Experten wie Medizinern, Historikern und Autoren die gesellschaftliche Entwicklung. Doch auch Frauen verschiedener Generationen ohne spezielle Fachkenntnis berichten von ihren Erfahrungen mit der Pille. Unterschiede in BRD und DDR werden ebenfalls thematisiert. Und es geht um Fragen der Emanzipation und Gleichberechtigung.

„Die reine Biologisierung der Reproduktion hat zu einem Ungleichgewicht geführt“, sagt die Stimme aus dem Off. „So erscheint es selbstverständlich, dass nur die Frauen für die Verhütung zuständig sind.“ 40 bis 60 Millionen Pillennutzerinnen weltweit gibt es demnach heutzutage. Doch eine „Pillenmüdigkeit“ nehme zu. Gesundheitswissenschaftler Gerd Glaeske führt das auf die zunehmend thematisierten unerwünschten Nebenwirkungen der Pille zurück.

Studie abgebrochen

Schon in den 50er Jahren sei eine Pille für den Mann in Gefängnissen getestet worden, die sich aber nicht mit Alkohol vertrug. Vor einigen Jahren wurde eine hormonelle Verhütung an mehreren Zen­tren auf der Welt getestet, gefördert von der WHO. Doch einige Probanden klagten über Gewichtszunahme und Libidoverlust. Die Studie wurde abgebrochen, der Forschung fehlt es seither an Geld.

Die Doku betont: Es geht um Folgen der Verhütung, die Frauen seit 60 Jahren oft stillschweigend und inzwischen wie selbstverständlich in Kauf nehmen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.