Stuttgart - Ein Bösewicht wird Walter Sittler nicht mehr. Lehrer hat er gespielt, Familienväter, einen Chefarzt natürlich. Und aktuell flimmert der grau melierte Schauspieler regelmäßig als deutscher Kommissar der Schwedenkrimireihe „Der Kommissar und das Meer“ über Deutschlands Mattscheiben.
Auch ohne Bösewicht-Rollen hat sich der einst als Schwiegermutter-Liebling abgestempelte Wahl-Stuttgarter seinen Platz im deutschen Fernsehen gefunden. Am Dienstag (5. Dezember) feiert der smarte 1,94-Meter-Mann seinen 65. Geburtstag.
Heute könnte man ihn eher als Kollegen-Liebling bezeichnen: Seine langjährige Weggefährtin Mariele Millowitsch (62) etwa schätzt ihn als „echten Teamplayer“, „total uneitel“ und „einen der fairsten Kollegen, die ich kenne“. Über Jahre spielten beide etwa in der Grimme-Preis gekrönten Arztserie „Nikola“ Seite an Seite. Sie als Krankenschwester, er als attraktiver Chefarzt.
Walter Sittler kommt als Jüngstes von acht Kindern 1952 in Chicago zur Welt. Sein Vater, ein US-amerikanischer Anglistik- und Germanistikprofessor, und seine Mutter, eine deutsche Lehrerin, hatten sich dort in den 40er Jahren niedergelassen. Als Walter sechs Jahre ist, geht es zurück nach Deutschland. Dort wächst er in Internaten auf, rund drei Jahre davon im Schloss Salem am Bodensee. Arzt wollte er werden, irgendwann in den 70ern jedoch fängt er Feuer für die Schauspielerei. Engagements in Mannheim und Stuttgart manifestieren seien Lebensweg.
Walter Sittler ist ein politischer Mensch. Von jeher. „Grünen-nah“, sagt er. „In Baden-Württemberg stimmt das auf jeden Fall, auf Bundesebene passt SPD-nah besser.“ Auf Vorschlag der SPD war er Wahlmann bei Bundespräsidentenwahlen. Sittler ist gerngesehener Gast im Polittalk, selbst will er aber nicht in die Politik.
Skandale hatte und hat Sittler nicht zu bieten. Seit über 30 Jahren ist er mit der Filmemacherin Sigrid Klausmann verheiratet, sie haben drei erwachsene Kinder.
„So lange mich jemand will, mache ich weiter“, sagt Sittler über das Rentenalter 65. Mehr bei einem freien Theaterensemble zu spielen, könne er sich vorstellen. Auch Solo-Bühnenprogramme wie „Als ich ein kleiner Junge war“ über die Kindheit des Autors Erich Kästner will er weiter machen. Ebenso wie die gemeinsame Arbeit mit seiner Ehefrau an Dokufilmen.
Für ihr Projekt „199 kleine Helden“, bei dem beide Kinder aus 199 Ländern auf ihren Schulwegen porträtieren, ist sie sogar an seinem 65. Geburtstag in der Welt unterwegs. Sittler freut sich auf einen ganz ruhigen „Vater-Tochter-Tag“. Seine Jüngste kommt aus Schweden zu Besuch.
