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PORTRÄT: Sympathieträger mit Schnauzer

27.06.2007

MüNCHEN Als männliche Miss Marple löst Friedrich von Thun seltsam verstrickte Verbrechen auf eigene, trickreiche Art. Mit seinen freundlichen, blitzblauen Augen und dem verschmitzten Lächeln unter dem markanten Schnauzbart wirkter als Sympathieträger im deutschen Fernsehfilm.

Seit den achtziger Jahren gehört er zu den beliebtesten Fernsehdarstellern im deutschen Sprachraum und ist in Krimis wie „Tatort“ ebenso zu sehen wie in Literaturverfilmungen. Am Sonnabend, 30. Juni, wird Friedrich von Thun 65.

Sein Image als freundlicher, pfiffiger Publikumsliebling hält den vielseitigen Schauspieler nicht davon ab, mit seiner Branche von Zeit zu Zeit auch ins Gericht zu gehen. „Wir können doch nicht immer nur durch die Gegend pilchern“, etwa schimpfte er einmal gegen den Quotenzwang im Fernsehen.

So glücklich er im Mai 2007 den Bayerischen Fernsehpreis für den ARD-Film „Helen, Fred und Ted“ entgegennahm, so bestürzt zeigte er sich über das enttäuschende Publikuminteresse an dieser Produktion.

Mehr Aufmerksamkeit sicherte dem viel beschäftigten Darsteller die ZDF-Serie „Die Verbrechen des Professor Capellari“, in der er in Miss-Marple-Manier verzwickte Kriminalfälle löst. Doch vor allem in österreichischen Produktionen war von Thun immer wieder in anspruchsvollen Literatur-Verfilmungen zu sehen.

So holte ihn Regisseur Axel Corti 1984 für seine Werfel-Verfilmung „Eine blassblaue Frauenschrift“, in der von Thun den schwer unter Schuldgefühlen leidenden Beamten Leonidas spielte. Die Produktion wurde ebenso ausgezeichnet wie Cortis 1993 entstandene Arbeit „Radetzkymarsch“ nach Joseph Roth, in der der Österreicher ebenfalls mitwirkte. Auch in Stephen Spielbergs Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ ist er zu sehen.

Begonnen hatte die Karriere des jungen Schauspielers aus altem Adel beim Theater. Als viertes Kind des Grafen Ernst von Thun und seiner Frau Marie Theres Freiin von Wiedersberg in Kwassitz im heutigen Tschechien geboren, wurde Friedrich von Thun mit seiner Familie 1945 interniert und floh 1948 nach Österreich.

Seine Schulzeit verbrachte er in der Steiermark und studierte anschließend in München Germanistik und Theaterwissenschaft. Dort nahm er dann auch Schauspielunterricht.

An den Münchner Kammerspielen gab er in dem König-Ludwig-Drama „Gewitter am See“ sein Theaterdebüt. Helmut Käutner entdeckte den jungen Darsteller 1964 für den Film und die Thoma-Verfilmung „Lausbubengeschichten“.

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