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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Tv-Premiere: Mit der Lupe auf die Tragödie geblickt

25.08.2020

Tel Aviv Michael hält die Hand im Waschbecken unter heißes Wasser. So lange, bis die Haut platzt. Doch alles kommt ihm besser vor, als den tiefen Schmerz über den Tod des Jungen zu ertragen. Michaels Sohn ist bei seinem Militärdienst getötet worden. Wie und warum, erklärt ihm keiner.

Bilder wie Gemälde

„Unser herzliches Beileid, Herr Feldman“, hat der Soldat nur gesagt, als er ihm die Nachricht überbracht hat. Michaels Frau Dafna bricht sofort zusammen, als sie die Soldaten an der Tür stehen sieht. Wenig später schläft sie mit Medikamenten ruhiggestellt im Bett. Schon der Anfang des israelischen Dramas „Foxtrot“ an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) auf Arte macht deutlich: Dieser Film setzt auf große Emotionen, Bilder wie Gemälde und Musik, die überrascht. Es geht um die Geschichte der Feldmans, die um den toten Jonathan trauern.

Der preisgekrönte Film löste 2017 allerdings auch eine politische Kontroverse aus. Die stark rechtsorientierte Kulturministerin Miri Regev sagte damals, „Foxtrot“ beschädige das Ansehen der israelischen Armee. Denn in einer Schlüsselszene kehrt das Militär die Tötung von vier arabisch aussehenden jungen Menschen unter den Teppich. Der Vorgesetzte sagt zu den verantwortlichen Soldaten: „Meines Erachtens haben Sie nur die Anweisungen befolgt. Aber Krieg ist nun mal Krieg.“

„Foxtrot“ erhielt beim Filmfestival von Venedig den Großen Preis der Jury und war im Rennen um den Oscar für den besten ausländischen Film. Nach der Auszeichnung in Venedig sagte Regisseur Samuel Maoz: „Wenn ich den Ort kritisiere, an dem ich lebe, tue ich das, weil ich besorgt bin. Ich tue es, weil ich ihn beschützen will.“

Dabei zeigt Maoz, wie trist das Leben auf dem abgelegenen Militärstützpunkt ist, wie deprimierend die Kontrollen an den vorbeifahrenden arabischen Menschen sind. Die Überprüfungen wirken überflüssig, gewollt, triezend. Der Film bietet allerdings keine Einordnung in den jahrzehntelangen Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Er erwähnt nicht die oft tödlichen Anschläge und Angriffe von Palästinensern auf Israelis.

Optisch und emotional jedoch nimmt Maoz die Zuschauer gefangen: Er zeigt das Geschehen manchmal in ex­tremer Nahaufnahme. Als ein Soldat etwa Michaels Feldmans Verfassung kontrolliert, zeigt die Leinwand nur noch das Auge des Vaters, vor dem ein Finger von rechts nach links wandert. Oder die Kamera filmt von oben: Michael – grauschwarze Haare, weißes Hemd, Anzughose – sitzt wieder allein auf einem Stuhl auf dem weiß und grau gekachelten Boden, neben sich auf dem runden Tisch ein Laptop, dessen Bildschirm bläulich leuchtet. Eine Aufnahme wie ein Kunstwerk.

Subtile Kritik

Dabei zieht Maoz Symbolik konkreter Kritik an der Situation vor. Der Container, in dem Jonathan und seine Kameraden leben, versinkt während ihres Dienstes langsam im Dreck. Jeden Tag liegt der Blechkasten ein bisschen schiefer. „Am Ende versinken wir ganz“, unkt ein Kamerad von Jonathan. „Wenn’s passiert, geht das ganz schnell.“

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