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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Kultsendung: TV-Sünden auf die „Mattscheibe“ geholt

14.04.2014

Berlin Es ist Einkaufsfernsehen der besonders grausigen Art. Ein gezeichnetes goldenes Engelchen hält ein lila Preisschild in die Kamera – statt 126,95 Euro soll das unscheinbare Fläschchen nur 89,95 Euro kosten. „Arumin besteht natürlich aus den Ursubstanzen des Lebens an sich“, rasselt eine Blondine abgehackt herunter. „Hier geht es um nichts weniger als das Urwasser des Lebens – Gottes. Hier ist Maria, die Energie, natürlich drin. Gott selber war anwesend. Wir sprechen hier von der 144. Dimensionsebene.“ Ist alles echt. Oliver Kalkofe hat bei Astro-TV eine neue Perle im Trash-Fernsehen entdeckt.

Kalkofe hopst ins Bild, im Look der Blondine – nur draller. „Die 145. Dimensionsebene bekommt man nur mit Bahncard 50, Erste Klasse, über zwei Promille, wenn man die Finger in die spirituelle Steckdose hält und sich dabei mit einer geweihten Bratpfanne 145-mal auf den Kopf schlägt. Das Arschumin besteht natürlich aus dem Urfusel des Lebens an sich.“ Seit 20 Jahren rechnet der 48-Jährige in „Kalkofes Mattscheibe“ mit TV-Sünden ab.

Für den Mix aus perfekter Imitation, Bosheit und Fäkalworten lieben ihn viele. Die „Mattscheibe“ – einst für den Hörfunksender Radio ffn entwickelt, dann beim Pay TV Premiere zu sehen, inzwischen auf Tele 5 – ist eine der wenigen Sendungen, die das Wort Kult verdienen. Kalkofe trug schon Dirndl, Opa-Jacken, Abendkleider, Walle-Walle-Kostüme. Ein ganzes Team von Schneidern und Maskenbildern sorgt für ihn.

Die dicke Astrologin Hilli, die schrägen Wahrsager „Lorelei und Luke“, der Schlagersänger Achim Mentzel, das Fotomodell Kader Loth, Rapper Kay One und wie sie alle heißen – Kalkofe hat sie alle durch den Kakao gezogen. Bis heute sind es 1800 Filmchen. „Ich glaube, es wird irgendwann Folgeschäden geben“, sagt er im Interview. „Ich habe so viele Rollen gespielt in über 1800 Clips! Das ist eine ganz ausgeprägte Form der Schizophrenie. Irgendwo sind diese Persönlichkeiten ja alle noch in mir verborgen.“

Kalkofe ist offenbar unglücklich ins deutsche Fernsehen verliebt. Wer sich mit ihm unterhält, merkt, dass sein Pulsschlag schneller wird, wenn er über Scripted Reality und Dokusoaps spricht. „Das hat nichts mit Fernsehen zu tun“, schimpft er. „Das möchte niemand sehen, diese Programme haben keine Existenzberechtigung. Sie sind aber billig, und man findet immer ein paar Leute, die sich für 50 Euro auf die Hand zum Idioten machen. Diese Art Fernsehen macht auf Dauer wirklich doof.“

Vor 20 Jahren, als er anfing, sei die Krone des Irrsinns die Volksmusik gewesen. „Die waren zwar größtenteils unfassbar dämlich, meinten es aber nicht böse und wollten die Leute wirklich unterhalten.“ Wirklich erschreckend sei, „dass das Fernsehen an Zynismus zugenommen hat und dass dem Fernsehen das Publikum inzwischen vollkommen scheißegal ist“.

Sein Haussender Tele 5 feiert das Schwergewicht der TV-Kritik vor Ostern mit einer „Kalk-Woche“. Von Montag bis Donnerstag gibt es täglich um 20.15 Uhr eine Stunde „Mattscheibe“. Höhepunkt ist am Karfreitag um 20.15 Uhr die Gala „The Incredible Kalk“ mit den Top 20 der Sendung.

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