Hamburg - In Englands viktorianischem Zeitalter zwischen 1837 und 1901 konnte man hoch aufsteigen und tief fallen. Es war eine beginnende Moderne mit Industrialisierung, Gaslicht und Großstadtleben, zugleich noch traditionelle Klassengesellschaft, in der Geburtsstatus und strikte Moral dem Einzelnen enge Grenzen setzten.
Kurzum: eine Welt wie geschaffen, um darin in süffigen Buch- und Filmstorys zu schwelgen. Das gelang dem britischen Autor Ken Follett 1994 in seinem internationalen Romanbestseller „Die Pfeiler der Macht“ – einem handfesten Sitten-Schinken, gespickt mit Liebe, Sex und Tod, Geld, Einfluss und bitterer Armut.
Bei neunjähriger Vorbereitung und mit Acht-Millionen-Euro-Etat hat das ZDF in Irland einen Zweiteiler gedreht, der das Geschehen um die Londoner Bankiersdynastie Pilaster im ZDF-Zweiteiler am nächsten Montag und Mittwoch (jeweils 20.15 Uhr) in üppig-stimmungsvolle TV-Bilder übersetzt.
Nach dem Drehbuch Annette Simons inszenierte Grimme-Preisträger Christian Schwochow („Der Turm“) das teils hochkarätig besetzte Werk, auf das die Verantwortlichen stolz sind. „Es ging uns darum, Folletts Themen bei der Metaebene zu packen – und zu fragen, inwieweit unsere Herkunft über unseren Lebensweg und unsere Lebensleistung entscheidet“, sagt Redaktionsleiterin Heike Hempel. Und erklärte, dass die Produktion von Constantin Television und Network Movie in Zusammenarbeit mit ZDF und Octagon Films „in der Liga moderner amerikanischer Serienproduktionen“ mitspiele.
Neben Stars wie Jeanette Hain, Axel Milberg, Yvonne Catterfeld, Rolf Hoppe, Stephanie Stumph und David Bennent verkörpern der Brite Dominic Thorburn (Kenneth Branaghs „Macbeth“) und die Niederländerin Laura de Boer („Immer wieder anders“) das im Mittelpunkt stehende so ungleiche wie attraktive Liebespaar im Taumel der Jahrzehnte.
Hugh Pilaster, dessen Vater sich nach seiner Firmeninsolvenz umgebracht hat und der als geduldeter Außenseiter im Geldinstitut seiner Familie arbeiten darf, verliebt sich jung in die Arbeiterin und Prostituierte Maisie. Deren Erzeuger hat nach dem Bankrott seine Stelle verloren und ist nach Amerika ausgewandert. Dorthin zieht es später auch Hugh, nachdem er für eine Verbindung mit der lebenstüchtigen Schönheit keine Zukunft sieht.
Die aktions- und intrigenreiche, oft in trübes Licht getauchte Geschichte, die von Ferne an Dickens-Romane erinnert, nimmt an Dramatik im zweiten Teil noch zu. „Ohne Sozialromantik möchten wir hier zeigen, wie es ist, in eine Welt hineingeboren zu werden und zu merken: Diese Welt setzt mir Grenzen. Die Frage ist dann doch, wie gehe ich mit den Grenzen um? Füge ich mich oder nicht?“, sagt Regisseur Schwochow (37).
