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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Ulrich Tukur Im Interview: „Ich habe den Stillstand genossen“

26.06.2020
Frage: Herr Tukur, Sie stehen neuerdings nach der Corona-bedingten Drehpause wieder vor der Kamera. Sind Sie froh, endlich wieder drehen zu dürfen?

Tukur: Wer wäre es nicht? Es ist großartig, dass wenigstens der Film wieder funktioniert. Dramatisch ist nach wie vor die Lage des Theaters und der Konzertveranstalter.

Frage: Für Filmproduktionen gilt ein umfangreicher Regelkatalog zum Schutz. Wie hinderlich sind diese Maßnahmen?

Tukur: Sie sind blödsinnig. Wir sind alle negativ getestet und müssen dieses absurde Theater täglich neu über uns ergehen lassen. Ich weiß nicht einmal, wie meine Maskenbildnerin aussieht.

Frage: Manche Leute glauben, dass in der Corona-Krise auch eine Chance liegt – dass die Menschen in der westlichen Welt einen Gang zurückschalten, weniger konsumieren. Sehen Sie das auch so?

Tukur: Ach, wäre das schön, wenn diese schreckliche Globalisierung und der Ausverkauf von Natur, Würde und Anstand endlich aufhörte oder wenigsten etwas zurückgefahren würde. Aber die Macht des Geldes und die grenzenlose Dummheit der Menschen werden sicher dafür sorgen, dass die Dinge früher oder später wieder genauso weiterlaufen wie vor der Krise.

Frage: Was haben Sie während des Lockdowns gemacht, als Sie nicht drehen konnten? Haben Sie vielleicht ältere Filme von sich angeschaut?

Tukur: Ich habe den Stillstand genossen. Ich stand aber auch nicht mit dem Rücken an der Wand wie viele meiner Kollegen. Das hat den Spaß an dieser unerwarteten Verschnaufpause doch etwas getrübt. Ich habe gelesen, Klavier gespielt und nur selten einen meiner ganz frühen Filme angeschaut, die noch schwarz-weiß mit Kurbelkamera und stumm gedreht wurden (lacht).

Frage: Im Herbst läuft die neue Folge „Die Ferien des Monsieur Murot“. Wie geht es danach mit dem „Tatort“ aus Wiesbaden weiter?

Tukur: Der Tatort, dessen Titel an Jaques Tati erinnert, ist sehr schön geworden. Wieder etwas ganz besonderes. Und Martin Rauhaus schreibt gerade an einem Drehbuch für einen neuen „Tatort“, den Rainer Kaufmann im Spätherbst inszenieren wird.

Frage: Rainer Kaufmann hat auch den Film „Und wer nimmt den Hund?“ inszeniert, in dem die Ehe von Georg und Doris nach 25 Jahren scheitert. Was haben die zwei falsch gemacht?

Tukur: Sie haben nichts wirklich falsch gemacht. Eine Beziehung ist so sterblich wie der Körper eines Menschen, der eine Beziehung zu einem anderen unterhält. Nach langer Wegstrecke streben die Dinge der Auflösung entgegen. Man muss höllisch aufpassen und bewusst daran arbeiten, eine Ehe am Leben zu erhalten.

Frage: Als junges Paar haben die zwei einen gemeinsamen Lebenswunschzettel verfasst, darauf steht: Lebendig bleiben, verrückt bleiben. Steht das auch auf Ihrem Wunschzettel?

Tukur: Ich gehe in keine Beziehung mit einem Wunschzettel oder einer Auflistung von Verhaltensregeln und guten Absichten.

Frage: Der untreue Mann, die verlassene Frau – der Stoff des Films ist ein Klassiker. Was hat Sie daran gereizt?

Tukur: Die glänzenden Dialoge von Martin Rauhaus, die einfühlsame Regie von Rainer Kaufmann und meine wunderbare Kollegin Martina Gedeck als Partnerin. Ich kenne Martina schon lange. Wir sind wohl das, was man ein eingespieltes Team nennt.

Frage: Glauben Sie an die ewige Liebe, sind Sie ein Romantiker?

Tukur: Ich glaube an Seelenverwandtschaft und daran, dass es zwei Menschen miteinander ein ganzes Leben gut aushalten können. Ich versuche gerade, den Beweis dafür anzutreten. Romantiker bin ich sowieso.

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