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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Große Gefühle am Kleinstadt-Flughafen

18.10.2019

Unterföhring /Oldenburg Klaas Heufer-Umlauf (36) geht unter die Schauspieler – und unter die Serien-Produzenten. In der neuen Serie „Check Check“, die an diesem Montag beim Streaming-Dienst Joyn startet und 2020 auch bei ProSieben zu sehen sein soll, macht der gelernte Friseur fast alles. Er spielt nicht nur die Hauptrolle und produziert die Serie – er hatte auch die Idee, Geschichten vom Security-Check am Flughafen zu erzählen.

„Es ist jetzt nicht so, dass mir da jemand tief in die Augen geschaut hat, während er meine Tasche kontrollierte und auf einmal hatte ich die Idee. Das war eher eine grundsätzliche Sache“, sagt Heufer-Umlauf im Interview der Deutschen Presseagentur. „Wenn beispielsweise Eltern ihre beiden Kinder direkt vorm Security Check zwingen, die große Flasche Wasser noch auszutrinken, weil man die ja nicht mit reinnehmen darf. Die Kinder stehen da mit der Flasche, die Eltern feuern sie an – da weiß man: Deutscher wird’s heute nicht mehr. Sowas kann inspirierend sein.“

Die Hauptfigur der Serie ist Jan, ein überheblicher Mittdreißiger, der sein Leben umkrempelt, als sein Vater Udo (Uwe Preuss) an Demenz erkrankt. Er lässt seine ohnehin etwas zweifelhafte Start-up-Idee, Burger aus Algen auf den Markt zu bringen, in Berlin zurück und wird Security-Mitarbeiter am „Simmering Airport“, dem Provinz-Flughafen seines Heimatortes. Die ebenso gewöhnungsbedürftigen wie liebenswerten Kollegen dort nehmen ihren Job sehr ernst. Terrorabwehr mit durchsichtigen Plastiktüten.

„Ich hab nix mit Allah gerufen, ich hab gesagt: Alter“, sagt Jan, nachdem sein erstes Zusammentreffen mit seinem Kollegen Harald (Jan Georg Schütte) etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Denn dessen Motto lautet: „Terror kennt keinen Humor.“ Zusätzlich zu diesen Anlaufschwierigkeiten ist Jan vor allem mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert. Denn seine Chefin ist seine Jugendliebe Sabine (Doris Golpashin).

In seinem neuen, alten Leben erfährt Jan vor allem, was Entschleunigung bedeutet (es startet nur eine Maschine am Tag) – und was Loyalität und Verantwortung. Das ist oft sehr lustig, aber nicht nur. Vor allem die Szenen zwischen Jan und seinem Vater sind von großem Gefühl und von einer Tragikomik, wie man sie einem Lautsprecher wie Heufer-Umlauf womöglich gar nicht zugetraut hätte. Wenn Jan seinen Vater beobachtet, wie der – einen kaputten Ghettoblaster in der Hand aber ohne Schuhe – in der Flughafenhalle steht, ist das herzzerreißend.

Ein nicht mehr ganz junger Mensch kommt zurück aus der coolen Unverbindlichkeit der Großstadt in die kleinstädtische Heimat. Neu ist dieses Motiv nicht – aber typisch für diese Zeit. „Ich glaube, das ist ein Merkmal unserer Generation“, sagt Heufer-Umlauf. „Diese Milde, mit der man irgendwann auf seine Heimat schaut, stellt sich erst ein, wenn man ein paar Jahre in der großen Stadt gewesen ist. Das kenne ich auch von mir selbst aus Oldenburg. Ich habe mich da natürlich auch wegbewegt mit einer gewissen Überheblichkeit, die auch aus einer Unsicherheit heraus entstanden ist. Ich wusste ja nicht, ob mein Plan – ich gehe jetzt in die Großstadt und dann wird alles ganz toll – auch klappt.“

Er selbst hat als Moderator und vor allem durch Nonsens mit Joko Winterscheidt (40) Karriere gemacht. Er sei aber heute noch regelmäßig in Oldenburg. „Ich finde das gut, und ich bin immer sehr dankbar, dass ich aus dieser Stadt komme. Ich fahre da herum und denke: Ich bin so, wie ich bin, weil ich hier groß geworden bin.“

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