Herr Balder, wenn man sich Ihren Lebensweg so anschaut, kann man davon ausgehen, dass Sie nicht zu den Leuten gehören, die aktiv auf die Rente zugearbeitet haben. Sie haben sich sehr oft in neue Jobs gestürzt, auch mit Risiko.

BalderIch bin in vielen Sachen sehr pragmatisch, das habe ich von meiner Mutter. Es gibt viele Kollegen, die machen eine Show drei oder vier Jahre, dann wird sie abgesetzt und dann grübeln sie. Das mache ich nicht, ich hake alles sofort ab. Aber Rente kriege ich trotzdem schon. Ich wusste allerdings nicht, dass man die beantragen muss. Mein Freund Jacky Dreksler hat mir das erst gesagt.

Sie sind unter anderem Schauspieler, Schlagersänger, an einer Kneipe beteiligt und Produzent. Richtig bekannt wurden Sie als Moderator mit „Alles Nichts Oder?!“ auf RTL mit Hella von Sinnen. Das war direkt eine ziemlich verrückte Show.

BalderEs war komplette Anarchie. Da hat auch niemand reingequatscht, wir konnten machen, was wir wollten und zum Schluss flogen die Torten. Das gibt es heute nicht mehr. Vermutlich wäre es auch gar nicht mehr interessant. Heute wird es erst interessant, wenn irgendwelche Leute nackt auf einer Insel heiraten oder Kakerlaken essen. Joko und Klaas sind die Einzigen, die noch etwas Anarchisches machen. Sie haben zwar manchmal ein bisschen geschummelt, was ich aber nicht so tragisch finde. Entertainment ist eben Entertainment. Aber vielleicht kommt die Zeit ja wieder. Vielleicht sagen die Leute irgendwann: Das ist alles so kompliziert, lasst uns mal wieder einfache, lustige Unterhaltung machen.

Stichwort Anarchie: Nach „Alles Nichts Oder?!“ kam direkt „Tutti Frutti“, eine Art Erotik-Spielshow. Die hat aber niemand so recht verstanden, zumindest nicht die Regeln.

BalderDas war aber positiv für die Sendung, weil es Gesprächsstoff war. Eigentlich war es auch ganz einfach. Die Originalsendung „Colpo Grosso“ lief damals täglich in Italien. Helmut Thoma (einst RTL-Chef, Anm.) entschied, dass es Unsinn wäre, alles in Deutschland nachzubauen. Wir übernahmen also alles von den Italienern: Kulisse, Ballett, Regisseure. Nur die Kandidaten und ich flogen nach Mailand, um die Show aufzuzeichnen. Das Problem war nur: Die Italiener spielten um Geld. Und wir hatten ja alles übernommen, also auch den Computer. Das führte dazu, dass ich für eine Jacke nicht einen Punkt, sondern 100 000 Punkte verteilte – es waren ja Lire. Das hat kein Mensch verstanden, aber mir war das egal. Und Thoma fand es lustig. Wenn Briefe geschrieben wurden mit der Bitte, die Regeln zu erklären, haben wir das einfach nicht gemacht.

Wenn man eine roten Faden in Ihrer Karriere sucht, kann man sagen: Bei Ihnen ist es immer lustig. Haben Sie eine Idee, woher Ihr Humor stammt?

BalderWenn, dann habe ich es von meinem Vater. Ich dachte sehr lange, dass mein Vater Textilhändler war, weil er ein Textilgeschäft hatte. Dann habe ich aber eine Sendung gemacht, bei der sich jemand professionell mit meinen Vorfahren beschäftigt hat. Und da habe ich dann erfahren, dass mein Vater einen Verlag hatte, Theaterkritiker war, Filmkritiker war. Davon wusste ich alles nichts, weil er es mir nie erzählt hat. Er hatte 1000 Ideen und hat mich früh ans Kabarett herangeführt. Und er war auch selbst sehr lustig.