Mainz - Nach neuen Schleichwerbungsvorwürfen bei „Wetten, dass..?“ wächst der Druck auf das ZDF. Der Verwaltungsratschef des öffentlich-rechtlichen Senders, Kurt Beck (SPD), erklärte, er werde Intendant Thomas Bellut bitten, „zu den Vorhaltungen Stellung zu nehmen und die heutige Praxis darzustellen“. Das teilte der scheidende rheinland-pfälzische Ministerpräsident am Dienstag mit.

Der ZDF-Fernsehrat will sich am 8. März mit den Vorgängen befassen, bestätigte der Vorsitzende des Gremiums, der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz. Das ZDF sowie der Entertainer Thomas Gottschalk hatten bereits am Montag Vorwürfe der Produktplatzierung bei „Wetten, dass..?“ dementiert. Die neuesten Anschuldigungen drehen sich um den Billigstromanbieter Teldafax.

Der Fernsehrat überwacht in erster Linie das Programm und besteht aus Vertretern gesellschaftlicher Gruppen. Der Verwaltungsrat überwacht die Tätigkeit des Intendanten und besteht vor allem aus Politikern.

Der „Spiegel“ schreibt in seiner aktuellen Ausgabe, die Firma Dolce Media biete seit Jahren die Möglichkeit, für Millionensummen verbotene Reklame in Deutschlands populärster Fernsehshow „Wetten, dass..?“ zu platzieren.

Das Münchner Unternehmen wurde von Christoph Gottschalk gegründet, dem Bruder des langjährigen ZDF-Showmasters Thomas Gottschalk. Das Magazin nannte Daimler und Solarworld als Vertragspartner. Dolce Media hatte in einer Stellungnahme vom Montag betont, man habe „zu keinem Zeitpunkt Rechtsvorschriften verletzt“.

Das „Handelsblatt“ berichtete am Dienstag jedoch über neue Vorwürfe. Der Zeitung liege ein Vertrag zwischen Dolce Media und der mittlerweile insolventen Teldafax vor. Demnach sollte Teldafax für sechs Sendungen von 2009 bis 2010 insgesamt 1,5 Millionen Euro an Dolce Media zahlen. Der Betrag sei später auf rund eine Million Euro reduziert worden. Es sei vertraglich genau festgelegt gewesen, in welcher Form Teldafax im Fernsehen in Szene gesetzt werde. Bereits 2004 hatte das ZDF seine Auflagen für Kooperationen verschärft. Der Sender wies am Dienstag den Vorwurf der Produktplatzierung erneut zurück.

Ein ZDF-Sprecher bestätigte zwar, dass der inzwischen insolvente Billigstromanbieter Teldafax als Stifter eines Preises für sechs Sendungen von 2009 bis 2010 von der Firma Dolce Media akquiriert worden sei. Ein Sprecher betonte aber: „Die Präsentation des Preises entsprach den rechtlichen Rahmenbedingungen.“ Die Einspieler seien vom ZDF juristisch abgenommen worden.

Ein Sprecher des Teldafax-Insolvenzverwalters wollte auf Anfrage aus rechtlichen Gründen nichts zu dem Bericht sagen. Auch der Anwalt von Dolce Media äußerte sich nicht.