Hamburg - „Herbert Herrmann: Deutschlands schönste Rampensau“, titelte unlängst eine Berliner Zeitung. Und ehrte damit einen Schauspieler, der – von scheinbar ewig jungenhafter Attraktivität und Fitness – als Boulevardkomödienheld sein Publikum republikweit begeistert.

Als inzwischen wohl letztes echtes Zugpferd des privaten Unterhaltungstheaters sorgt der gebürtige Schweizer Herrmann seit Jahrzehnten für volle Häuser. Immer lebensfroh und witzig, charmant und schick. An diesem Dienstag wird der Star 75 – und mag dem Alter nach wie vor die stets sonnengebräunte Stirn bieten.

„Wir sind doch jung, bis wir sterben müssen“, sagt Herrmann am Telefon. „Alle kommen in die Jahre – warum sollte ich mir Gedanken machen? Ich versuche, ein bisschen auf mich zu halten, anständig zu leben und anständig meinen Beruf auszuüben.“ Ein allmorgendliches Gymnastikprogramm von 45 Minuten sei dabei ein wichtiger Faktor.

Derzeit gastiert der Schauspieler mit seiner Lebensgefährtin und Bühnen-Dauerpartnerin Nora von Collande (58, ZDF-„Forsthaus Falkenau“) in Düsseldorf. In seiner eigenen Inszenierung von Gérald Sibleyras’ Beziehungskomödie „Anderthalb Stunden zu spät“ gibt er einen verheirateten Erfolgsmenschen vor dem Ruhestand – und schlägt facettenreiche, durchaus ernstere Töne an.

„Das hat aber nichts mit meinem Alter zu tun. Wir haben einfach keine Lust mehr auf oberflächliche Komödien. Und auch die Zuschauer wollen Geschichten mit Inhalt erzählt bekommen, bei denen etwas zum Nachdenken bleibt“, erklärt der Bühnenmann, der in seiner Jugend linkspolitisch engagiert war.

Im Fernsehen macht sich der Akteur – obwohl Angebote kämen – rar. Seit 1975 hatte der gelernte Schriftsetzer nach seinem Schauspielstudium dort Erfolge gefeiert. Dank Serien wie „Ich heirate eine Familie“ mit Peter Weck und Thekla Carola Wied (ZDF, 1983–1986) wurde Herrmann populär.

„Ich habe auch viele Schrottfilme gedreht. War immer nur der Liebhaber, das will ich nicht mehr, das ist furchtbar“, sagt der Vater von drei Kindern aus früheren Verbindungen, etwa mit Kollegin Susanne Uhlen (61).

Basis seiner fulminanten Bühnenkarriere bildet die seit 1972 bestehende Zusammenarbeit mit der Berliner Theaterfamilie Wölffer. Längst genießt er das Privileg, seine Stücke aussuchen zu dürfen. Daher fährt er mit seiner Partnerin oft für Entdeckungen nach Paris, veranlasst Übersetzungen.

Ein wenig Botschaft zum Umgang mit den reifen Jahren steckt in diesen neueren Komödien. „Wir möchten gern liebevolle Anstöße geben, wie man älter werden kann, ohne immer nur zu verzichten“, sagt Herrmann, „dem Publikum quasi ein bisschen Fantasie mit auf den Weg geben.“