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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Krimi: Vom Nervenkrieg in der Nachbarschaft

15.12.2016

Frankfurt /Main Krimi-Schriftstellerin Betti Graf ist sich sicher: Ihr lebenslustiger Nachbar Abendroth wurde umgebracht – und zwar von einem anderen Nachbarn. Der Täter Nils Engels sei „ein wirklich böser Mensch“, versichert sie den Frankfurter „Tatort“-Kommissaren.

Weil Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) gerade nicht wirklich viel zu tun haben, gehen sie dem Verdacht der Schriftstellerin in der Einfamilienhaus-Siedlung nach. Die liegt in einer Sackgasse.

„Wendehammer“ heißt daher der „Tatort“ des Hessischen Rundfunks, den das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt. Broich wurde dafür bereits mit dem Hessischen Film- und Kinopreis in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ ausgezeichnet.

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IT-Super-Spezialist Nils Engels wirkt in der spießigen Vorstadtsiedlung wie ein futuristischer Fremdkörper. Das Haus seiner verstorbenen Oma hat er zu einer cleanen High-Tech-Festung ausgebaut. Er hält sich Besucher mit Strom vom Leib, hat mit „Cassie“ seine persönliche Computer-Assistentin entwickelt und trägt bionische Kontaktlinsen.

Mit seinen Algorithmen kann er den Strom in ganz Frankfurt lahmlegen. Als die Kommissare bei ihm klingeln, erscheinen sofort ihre Lebensläufe auf einem seiner vielen Bildschirme.

Engels’ Nachbarn machen den jungen Mann für das Verschwinden mehrerer Katzen und Hunde verantwortlich. Da scheint es nahe zu liegen, dass das Verschwinden von Abendroth (Joachim Bißmeier) auch auf Engels Konto geht. Der Lebemann ist zunächst tatsächlich spurlos verschollen – wie sein Teppich.

Darin habe ihn der Mörder eingerollt, ist die Krimi-Autorin (klasse gespielt von Cornelia Froboess) überzeugt. Als die Kommissare auf der Suche nach Abendroths Leiche den ungewöhnlichen Müll von Engels durchsuchen, stellt Kommissar Brix aber fest: „Hier ist nicht einmal ein Finger.“

Solche Situationskomik, skurrile Szenen, zahlreiche Zitate aus bekannten Filmen und eine Reihe von Tieren machen das Außergewöhnliche des unterhaltsamen und witzigen „Tatorts“ aus. Dazu kommen die seltsamen Typen aus dem Wendehammer. „Man traut denen auf einmal alles zu“, beschreibt sie Schauspielerin Broich. Die mitunter mit Anspielungen und Verschwörungstheorien etwas überladene Handlung gerät dagegen in den Hintergrund.

Broich nennt noch andere Besonderheiten des gelungenen „Tatorts“: „Er ist komisch geschnitten, die Musik ist merkwürdig eingesetzt, es sind seltsame Perspektiven.“

Die Kommissare sind in ihrem vierten Fall ein eingespieltes Team und wissen mit den Eigenheiten des anderen umzugehen. Das macht neugierig auf den fünften Fall, der bereits am 8. Januar („Land in dieser Zeit“) ausgestrahlt wird.

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