WASHINGTON - Er war Amerikas Fernseh-Nachrichtenmoderator der ersten Stunde. Schätzungsweise 20 Millionen Menschen saßen jedes Mal vor dem Bildschirm, wenn er abends das Neueste aus aller Welt vermeldete.

Jetzt ist der legendäre Moderator im Alter von 92 Jahren in New York gestorben: Walter Cronkite, der über die größten Tragödien und Triumphe der jüngeren US-Geschichte berichtete, von der Kennedy-Ermordung über den Vietnamkrieg und die Mondlandung bis hin zu Wahlparteitagen und Präsidenten-Vereidigungen.

Amerikanische Institution

Der nicht nur überaus hoch angesehene, sondern auch äußerst beliebte TV-Journalist, war über lange Jahre das vertraute Gesicht der Abendnachrichten des Senders CBS. Politiker und Kollegen würdigten ihn als „amerikanische Institution“, einen Pionier, der die Rolle des TV-Nachrichtensprechers begründete und entwickelte und durch seine Arbeit das Medium Fernsehen mitformte.

So betrauerte auch US-Präsident Barack Obama den Verlust einer „Ikone und eines teuren Freundes“, der „Teil der Familie“ gewesen sei.

Cronkite erwarb sich zunächst als Korrespondent der Nachrichtenagentur United Press (später als United Press International – UPI bekannt) während des Zweiten Weltkriegs einen Namen.

Normandie-Invasion

So war Cronkite bei den ersten B-17-Bombenabwürfen über Deutschland dabei, landete mit den alliierten Streitkräften in Nordafrika und watete 1944 bei der Normandie-Invasion mit an Land. Später berichtete er für UPI über die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse, danach war er Chefkorrespondent in Moskau.

Der US-Bevölkerung wuchs Cronkite jedoch hauptsächlich als Moderator der CBS-Abendnachrichten ans Herz. Von 1962 bis 1981 war er in dieser Rolle ein ständiger populärer Gast in Amerikas Wohnstuben, bekannt für seinen maßvollen, sonoren Ton, für seine Präsentation der Nachrichten „in Hausschuhen und mit Pfeife“, wie es die „Washington Post“ beschreibt. Sein unverwechselbarer Stil, den Fernsehzuschauern die Ereignisse der Welt in einfacher Form, wie „einer von uns“ zu vermitteln, trug ihm den Spitznamen „Onkel Walter“ ein.

Und die Menschen sahen in ihm eine Stimme der Wahrheit. Seine Nachrichten-Sendung beschloss Cronkrite stets mit dem Satz „Und so ist es“ – und niemand zweifelte daran. Bei einer Umfrage 1973 setzten ihn die Amerikaner an die Spitze der Liste von Persönlichkeiten, denen sie am meisten vertrauen – noch vor dem Präsidenten.

Gefühle

Cronkite konnte aber auch Gefühle zeigen: So ist sein unterdrücktes Schluchzen bei der Verkündung des Todes von Präsident John F. Kennedy 1963 ebenso Legende wie sein begeisterter Ausruf „Oh, Boy“, als er vor 40 Jahren im Fernsehen die Landung der ersten Menschen auf dem Mond begleitete.

Und auch wenn sich Cronkite als ein Journalist bezeichnete, der Ereignisse beschreibt, nicht analysiert oder kommentiert, so formte er doch vielfach auch das öffentliche Meinungsbild. Beispielsweise, als er 1968 aus Vietnam berichtete, den Krieg als „festgefahren“ charakterisierte und Friedensverhandlungen empfahl.

Das galt später als der Zeitpunkt, an dem sich der Widerstand in der Bevölkerung gegen den US-Kurs zu manifestieren begann.