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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Ein Arbeitstier ganz ohne Eitelkeiten

24.10.2018

Weimar Für Anekdoten ist er immer zu haben. Aber die Umgebung hilft den Erinnerungen Thomas Thiemes noch etwas mehr auf die Sprünge. Der Schauspieler steht auf der Bühne des Deutschen Nationaltheaters (DNT) in Weimar, seiner Geburts- und Heimatstadt.

„Hier hat alles angefangen“, sagt er und berichtet von der Zeit als Kulissenschieber und von der Zeit, als er als Kind in den Zuschauerrängen die Geschehnisse auf der Bühne verfolgt hat. Am Montag, 29. Oktober, wird er 70 und steht schon lange selbst im Rampenlicht.

Thieme hat es als Schauspieler nicht nur in wichtige Schauspielhäuser geschafft, sondern auch in die Kinosäle etwa in seiner Rolle als DDR-Minister im Oscar-prämierten Film „Das Leben der Anderen“ oder als Nazi-Scherge in Oliver Hirschbiegels Führerbunker-Drama „Der Untergang“.

„Ich habe Glück gehabt mit meinen Rollen, aber die Schauspielerei ist auch ein Talentberuf – und ich war wohl nicht ganz talentfrei“, sagt Thieme. Für den handwerklichen Teil ging es für ihn zunächst zur Staatlichen Schauspielschule in Ost-Berlin. Danach spielte er in Görlitz, Anklam, Magdeburg und Halle. 1984 verließ er die DDR. „Mit der Systemtreue hatte ich es nicht so, aber es gab – soweit ich weiß – auch keine Anstalten, aus mir einen Systemmann zu machen“, sagt er.

Im Westen ging es ans Schauspiel Frankfurt, später unter anderem nach Wien zum Burgtheater, an die Schaubühne in Berlin, ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Er spielte Brecht, Goethe und immer wieder Shakespeare-Stücke: Als Richard III. in Luk Percevals „Schlachten!“-Epos, das die Königsdramen des Dramatikers zusammenführt, wurde Thieme schließlich Schauspieler des Jahres.

Für die Mehrheit der Deutschen dürfte Thieme spätestens in Fernsehproduktionen als Darsteller des Fußball-Managers Uli Hoeneß und des Altkanzlers Helmut Kohl ein Begriff sein. Bei beiden Rollen habe er sofort zugesagt. „Was gibt es Spannenderes, als sich in solche Figuren hineinzubohren, denen dein Gesicht, deine Stimme zu geben?“ Hoeneß habe er privat mal getroffen. „Da habe ich keinen Bösewicht vor mir gesehen.“

Kohl und Hoeneß waren Rollen, die Thieme – man kann es nicht anders schreiben – auf den Leib geschneidert waren. Ein Koloss sei er, eine Wucht, ein Berg von einem Schauspieler, heißt es immer wieder über ihn. „Ich muss ja irgendwie aussehen! Es gibt tolle Kollegen, an denen schaut man vorbei – eine Katastrophe für einen Schauspieler!“

Hobbys findet Thieme albern. Ist er also ein Arbeitstier? Ja, aber er wisse auch anderes zu schätzen: Die Lebenslust habe er schon immer gepflegt, sagt er. In all ihren Facetten. Drei erwachsene Kinder hat Thieme. Mit drei unterschiedlichen Frauen, wie er selbst betont.

Thieme lebt in Berlin – und auch wieder in Weimar. Seine Geburtsstadt habe für sein Alter die richtige Größe und Lautstärke, sagt er. Dort könne man seine Ruhe finden.

Jüngst übernahm er eine Rolle in der Verfilmung von Juli Zehs Erfolgsroman „Unterleuten“. Und im kommenden Jahr wird er im ZDF-Dreiteiler „The Wall“ zu sehen sein.

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