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NWZonline.de Nachrichten Kultur Medien

Abstruse Geschichte um tödliche Klöße

23.08.2018

Weimar „In Thüringen gibt es zwei große Dinge“, erklärt Kommissarin Dorn ihrem Partner Lessing im neuen „Tatort“ aus Weimar: Wurst und Klöße. Und mit Letzteren ist das Thema des einmal mehr an abstrusen Verwicklungen und skurrilen Gestalten reichen Weimar-„Tatorts“ (Sonntag, 20.15 Uhr) auch schon gesetzt. Die Frage, ob es etwas mehr sein dürfe, wird gar nicht erst gestellt. Es wird geklotzt und nicht gekleckert.

Und das schon zu Beginn: Am Ende der ersten Minuten gibt es bereits eine Leiche. Ein blutiges Messer ist aufgeblitzt, und ein Thüringer Kloß wurde von seinem Ursprung als Kartoffel im Feld bis auf den Teller mit Soße begleitet – alles geschickt ineinandergeschnittene Sequenzen. Und dann kracht auch noch ein Transporter in ein Auto.

Die schnöde Fahrerflucht führt das Ermittlerpaar Dorn und Lessing (Nora Tschirner und Christian Ulmen), das der MDR seit 2013 auf Verbrecherjagd schickt, zum eigentlichen Hauptfall: einem ermordeten Geschäftsführer einer traditionsreichen Kloßfabrik, dessen seit Jahren verschwundene Ehefrau urplötzlich wieder auftaucht.

Gedreht wurde dafür tatsächlich bei einem Kloßhersteller, der Thüringer Kloß-Welt in Heichelheim – während des laufenden Betriebs. Das Team habe sich gefühlt wie bei der „Sendung mit der Maus“, so der MDR. Regie führt Richard Huber.

Den Mord nehmen die Drehbuchautoren Andreas Pflüger und Murmel Clausen jedenfalls als Ausgangspunkt für eine um Glaubwürdigkeit nicht wirklich bemühte Krimigeschichte, an deren Ende es an Leichen nicht mangelt.

„Ihre Ehe war megaglücklich, aber sie ist in den Hainich abgehauen, auf den Nischel gefallen, Klofrau in Stadtroda geworden, kriegt ihr Gedächtnis genau an dem Tag zurück, als ihr Mann ermordet wird, und fragt nicht einmal, ob wir den Täter haben, wer’s gewesen sein könnte, wie’s passiert ist?“, fasst Dorn die Geschichte Roswitas zusammen, der Ehefrau des Ermordeten. Da kann sich die Kommissarin nicht zurückhalten: Ganz schön viele Zufälle, hier!

Für Milena Dreißig, die die Roswita spielt, hat die eigenwillige Rolle immerhin neue Erkenntnisse mit sich gebracht: „Ich durfte in zwei mir bis dahin verborgene Welten eintauchen – die Welt der Thüringer Klöße und die Welt der Autobahnraststätten-Toiletten“, zitiert sie der Sender.

Besonders realitätsnahe Szenarien dürfte wohl kaum mehr ein Zuschauer beim „Tatort“ aus Weimar erwarten. Dafür gibt es für den siebten Fall mit dem Ermittlerteam Dorn und Lessing eine Eins mit Sternchen für kreative Mordmethoden, mit denen eine Filmleiche beispielsweise granuliert wird.

Wer sich auf die konstruierte Geschichte einlässt, dem ist zumindest Unterhaltung sicher – auch dank des trockenen Wortwitzes.

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