Berlin - Ob als arbeitsloser Imbissbuden-Philosoph „Dittsche“ oder in Werbespots als Kunde einer Elektronikkette: Der Comedian, Schauspieler und Musiker Olli Dittrich (58) vermag es wie kaum ein anderer, neben seinen skurrilen Promi-Parodien auch in die Haut von Alltagsmenschen zu schlüpfen. Damit erschien er in den Augen von Nachwuchsregisseur David Dietl (Sohn des gestorbenen „Schtonk!“-Regisseurs Helmut Dietl) wohl prädestiniert, die Titelrolle in seinem ersten Kinofilm „König von Deutschland“ zu übernehmen.
Schließlich handelt es sich bei der Gesellschaftssatire, die am Donnerstag um 20.15 Uhr im Zweiten läuft, um die Geschichte eines Mannes namens Thomas Müller – des angeblich durchschnittlichsten Menschen der Republik.
Doch selbst dem fabelhaften Dittrich gelingt es nicht, die Produktion wirklich zum Glänzen zu bringen. Dabei wirkt die Grundidee Dietls – geboren 1979 in Los Angeles – eigentlich wunderbar. Und auch sein Coup, als Müllers ebenso biedere Ehefrau Sabine Ex-„Superweib“ Veronica Ferres – also die einstige Liebe seines Vaters – zu engagieren, ist zunächst nicht von schlechten Eltern.
Thomas Müller, den Dittrich liebevoll mit naiv-bescheidenem Lächeln ausstattet, lebt mitten im Mainstream. Der Mittvierziger guckt in seiner Mietwohnung jeden Tag vier Stunden lang fern – gern die Gewinnquizshow „König von Deutschland“. Er redet 15 Minuten mit seiner Frau und hat sieben Minuten Sex. Sein Lieblingsgericht ist Schnitzel mit Kartoffelsalat, sein Auto ein Volkswagen. „Todlangweilig und stinknormal“, wie Sohn Alex (Jonas Nay) meint, wird er so für die Marktforschung – sprich: Wirtschaft und Politik – attraktiv. Daher kommt es zu einem für ihn undurchsichtigen Spiel, das mit dem Rauswurf aus seiner Firma beginnt.
Müller landet im Unternehmen „Industries Unlimited“, wo er nichts anderes tun muss, als mit seinem diabolischen Chef Stefan Schmidt (Wanja Mues, „Ein Fall für zwei“) einzukaufen und zu allem seine Meinung abzugeben. Es irritiert ihn, seine Empfehlungen bald als neue Produkte oder Parteien-Wahlslogans wiederzuerkennen. Schließlich erkennt er, dass sein Leben heimlich gefilmt und verwertet wird. Da endlich bemüht sich der Normalo, sich von seiner Durchschnittlichkeit zu befreien.
Eher schwach spannt sich der Spannungsbogen. Gesellschaftsanalyse und Dialogwitz des vielfach gut besetzten und sorgfältig ausgestatteten Films kratzen vornehmlich an der Oberfläche. Mit den US-Kultsatiren „Die Truman Show“ (1998) und „American Beauty“ (1999) kann sich der Streifen nicht messen. Doch dem hintergründigen Dittrich zuzuschauen, hat irgendwie immer Reiz.
