Berlin - Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Dazu gibt es derzeit viele Dokumentationen und Spielfilme im Fernsehen, wie kürzlich „Nackt unter Wölfen“ (ARD). Das war sehr schwere Kost, und so mancher Zuschauer mag sich gedacht haben: Nun reicht es aber.

Nein, es reicht vermutlich nie – was auch ein weiterer Film unter Beweis stellt: „Die verlorene Zeit“ heißt er, und er ist am Mittwoch (20.15 Uhr, ARD) zu sehen. Inspiriert von wahren Ereignissen erzählt der Film von einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte zweier Schicksale, die ihren Anfang 1944 in Polen nimmt.

Im Rückblick erfährt man ihre abenteuerliche Geschichte: Die schwangere Hannah (Alice Dwyer) wurde einst von ihrem Geliebten, dem Polen Tomasz Limanowski (Mateusz Damiecki), mit einer riskanten Flucht aus einem KZ gerettet. Doch im Chaos der letzten Kriegstage wurden sie gewaltsam voneinander getrennt und waren seitdem überzeugt, der andere sei ums Leben gekommen.

„Die Erinnerung kommt nie als Ganzes. Sie ist von Anfang an zerrissen“, schreibt Hannah Levine (Dagmar Manzel) in ihr Tagebuch, 1976 in New York. Als sie in einer Reinigung Tischdecken für eine Feier abholen möchte, sieht sie zufällig ein Interview im Fernsehen und meint, ihren damaligen Retter wiedererkannt zu haben. Über den Suchdienst des Roten Kreuzes forscht sie erneut nach Tomasz – und findet ihn.

„Auch ohne Worte der Erklärung versteht der Zuschauer, warum Tomasz sich in Hannah verliebt“, sagte Schauspielerin Alice Dwyer (27, „Glückskind“). „Sie ist eine sehr zarte, verletzliche Frau. Er sieht sie und hat keinen größeren Wunsch, als sie zu beschützen, wie einen kleinen kaputten Vogel. In den ersten Drehbuchfassungen weinte Hannah viel. Wir haben uns dagegen entschieden. Für uns war sie schon an dem Punkt, an dem sie gar nicht mehr weinen konnte.“ Dagmar Manzel (56), die die ältere Hannah spielt, ergänzt: „Das Leben dieser Frau selber ist unfassbar. Ich empfände es als anmaßend, ihr Schicksal nachempfinden zu wollen. Der Schmerz bleibt ewig!“

Regisseurin Anna Justine hat den Film 2011 als internationale Koproduktion für das Kino gedreht, und es gelingt ihr und Autorin Pamela Katz („Rosenstraße“) vortrefflich, Gegenwart und Vergangenheit miteinander zu verknüpfen. Sie bemühen sich zudem, das Geschehen möglichst authentisch zu erzählen. Der Film ist bis ins kleinste Detail nahezu perfekt ausgestattet.