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NWZonline.de Freitag für Meinung

Freitag Für Meinung: Youtuber Rezo und die Unfehlbarkeit der Presse

17.07.2020

Oldenburg Die „Zerstörung der Presse“. Ein Video, das viral ging, in vielen Print-Medien selbst aber kaum Beachtung fand. Vielen dürfte der Name des Youtube-Kanals „Rezo“ durch „Die Zerstörung der CDU“ bereits geläufig sein. Nun also die Presse.

Arne-Joris Meis (17) besucht die 11. Klasse der Liebfrauenschule Oldenburg und schreibt für die Schülerzeitung LFZ. In seiner Freizeit spielt er Tennis und Fußball.(Foto: privat)

Wie auch bei dem Video zur CDU betont der Autor, dass es keine „Zerstörung“ ist, sondern dass über Missstände gesprochen wird und diese aufgedeckt werden. Es geht um Verschwörungstheorien und Verschwörungstheoretiker, denen gerade in der Zeit von Corona medial eine große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hier zeigt er auch auf, wie gefährlich so eine oftmals als harmlos empfundene Theorie sein kann. Das wurde z.B. bei den Anschlägen von Halle oder Christchurch sichtbar, bei denen die Täter nachweislich durch antisemitische Verschwörungstheorien motiviert waren.

Anschließend kritisiert er vor allem die „Bild“ und ihre Berichterstattung. Er legt offen, wie sie gezielt Wissenschaftsskepsis fördert, Desinformationen verbreitet und den Opferschutz mit Füßen tritt. So wurden Nacktbilder ungefragt verbreitet nur um damit mehr Geld zu verdienen und höhere Klick- oder Verkaufszahlen zu generieren. Auch zeigt er in dem Video, wie vermeintlich seriöse Zeitungen sich Methoden der Verschwörungstheoretiker zu eigen machen.

Im nachfolgenden Part rechnet er vor, wie oft Falschbehauptungen in verschiedenen Medien vorkommen. Hierzu hat er über 400 Artikel ausgewertet, in denen über ihn selbst berichtet wurde und diese einem Faktencheck unterzogen. Das Ergebnis ist erschreckend. In der FAZ, die die Liste der Falschmeldungen erstaunlicherweise anführt, sind in einem Drittel aller Artikel über ihn falsche Behauptungen zu finden. Insgesamt enthielten 34 Prozent aller ausgewerteten Artikel Falschbehauptungen. Auch kritisiert er massiv den Ressortleiter Innenpolitik der FAZ und demonstriert, wie dieser offen Verschwörungstheorien verbreitet.

Ein weiterer wichtiger Teil seines Videos besteht aus seiner Kritik zum Umgang mit Quellen und Belegen bei Zeitungen. Konkret zeigt er einen Fehler der „Welt“ und beanstandet allgemein, dass zu wenig Quellen angegeben werden.

Auf diese Blamage folgte ein mehr als peinliches Antwortvideo der FAZ, in dem Rezo beispielsweise „stalinistische Selbstbezichtigungsmethoden“ vorgeworfen wurden, da er verständlicherweise eine Distanzierung vom Ressortleiter der Innenpolitik verlangte, weil dieser dem Ansehen der gesamten „etablierten Presse“ schaden würde, insbesondere der FAZ. Auch die „Welt“ wies fast alle Kritikpunkte zurück. Ein weiteres Video seitens Rezo belegte noch einmal, dass es sich bei dem Antwortvideo nur um einen ziemlich unglücklichen Versuch zur Gesichtswahrung handelte.

Genauso sehe ich es auch. Wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder eine Bestätigung seiner Theorie im Internet finden kann. Gerade deshalb ist guter Journalismus umso wichtiger. Leider diskreditieren sich einige Zeitungen durch ihre Uneinsichtigkeit. Jedoch sollten nicht alle „Medien“ pauschal vorverurteilt werden. Es gibt, wie auch Rezo betont, viele Journalisten, die eine tolle Arbeit leisten. Die öffentlich-rechtlichen schneiden in seiner Auswertung beispielsweise sehr gut ab. Hier zeigt sich auch noch einmal in aller Deutlichkeit die Bedeutsamkeit solcher staatlich finanzierter Medien, da diese eben nicht auf immer höhere Klickzahlen oder mehr Auflage angewiesen sind. Es müsste auch eine konsequentere Aufarbeitung erfolgen. Dies würde konkret bedeuten, dass die FAZ nicht versucht jegliche Kritik abzuschmettern und sich für unantastbar zu erklären, sondern dass eine Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten stattfindet, ähnlich wie der Spiegel mit dem Fall „Relotius“ verfuhr. Man darf und sollte Fehler zugeben, um auch Populisten keine Angriffsfläche zu bieten.

Es muss also festgehalten werden, dass Kritik an einigen Berichten in der Presse durchaus legitim ist und diese letztlich zur Verbesserung beitragen soll. Wie der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen richtig feststellte, ist das Rezo-Video eigentlich eine „in Kritik verpackte Liebeserklärung an den seriösen Journalismus“.

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