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Meinung von morgen: Abiturient appelliert für mehr Politikunterricht an den Schulen

30.04.2021
Autor dieses Beitrages ist Patrick Marquardt. Er ist Schüler der Graf-Anton-Günther Schule in Oldenburg. (Foto: privat)

Am kommenden Montag (3. Mai) finden die Abiturprüfungen im Fach Politik-Wirtschaft statt – auch ich bin als Leistungskursler dabei. Für mich ist dieser Moment ein Anlass zurückzuschauen und für mehr Politikunterricht in Niedersachsen zu werben, denn ich verdanke diesem Fach sehr viel. Der Beginn des Politikunterrichts in der achten Klasse war für mich wahrscheinlich die Rettung auf dem Gymnasium, denn, so ehrlich möchte ich auch mit mir selbst sein, es war für mich keine Seltenheit, etwa in der siebten Klasse in Latein nicht die besten Leistungen zu erbringen. Doch der Politik-Wirtschaftsunterricht änderte das, denn aus Zwischenrufen und Kommentaren wurden vernünftige Meldungen und Meinungsbeiträge. Statt mit dem Sitznachbarn zu quatschen diskutierte man auf einmal.

Der Kampf um das beste Argument

Jetzt werden viele sagen: ,,Politik, das ist doch nur ein Laberfach!” Richtig, und genau das finde ich gut daran. Ich war nie derjenige, der die ,,Zuhörfächer” im Frontalunterricht gerne verfolgte. Diskussionen, der Kampf um das beste Argument, das war meine Motivation im Politikunterricht, später in der Oberstufe und jetzt in meiner Freizeit.

Politik ist ein benachteiligtes Fach

Doch in Niedersachsen ist Politik-Wirtschaft ein benachteiligtes Fach, es wird gerade zu diskriminiert. An den Gymnasien wird Politik-Wirtschaft ab Klasse acht unterrichtet, andere Gesellschaftswissenschaften wie Geschichte schon ab Klasse fünf. Dabei kann mir keiner ernsthaft erzählen, dass Fünftklässler das Ägypten der Pharaonen besser verstehen als die Frage, ob man mehr Fahrradwege in seiner Kommune braucht. Zumal letzteres maßgeblich den Alltag der Schüler, etwa den Schulweg, beeinflusst.

Noch deutlicher wird es, wenn man sich die Schülervertretungen ansieht. Als ich selbst Schülersprecher war, habe ich immer wieder gesehen, dass die jüngeren Jahrgänge viele Ideen zur Gestaltung des schulischen Zusammenlebens haben. Allerdings trauen sie sich kaum, im Schülerrat aufzustehen und ihre Meinung kundzutun. Liegt das wirklich an den furchteinflößenden Abiturienten, die das Gremium leiten oder daran, dass ihre Meinungen und Diskussionsbereitschaft ansonsten in der Schule kaum gefragt sind und erst sehr spät gefördert werden?

„Politik ist das, was du daraus machst“

Als in der achten Klasse der Politik-Wirtschaftsunterricht startete, fragte uns unserer Lehrer: ,,Was ist Politik?” Es gab viele Ideen, seine Antwort auf die Frage war: ,,Politik ist das, was du daraus machst.“ Für mich persönlich ist heute alles Politik. Mit dem Auto oder mit der Bahn fahren? Konventionelles Obst oder Bio-Obst? Diesen Kommentar schreiben oder nicht? All das sind für mich politische Fragen. Ob ich nun ein ,,mündiger Staatsbürger” bin? Keine Ahnung.

Ich weiß jedoch darum, wie wichtig es ist, Prozesse zu beobachten, Pro- und Contra-Argumente abzuwägen und mir eine Meinung darüber zu bilden. Es hilft mir im Alltag, anderen zuzuhören und mir selbst Gehör zu verschaffen. Wir müssen nicht gleich alle zum Homo Politicus werden, doch denke ich, dass Schüler schon ab der fünften Klasse die Gelegenheit bekommen sollten ihre Kommunikations- und Partizipationfähigkeiten zu erkennen und zu nutzen.

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