Etzel - Äußerst verwundert zeigte sich Dr. Arendt Hindriksen, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) „Lebensqualität“ Horsten-Etzel-Marx, über die von der Storag Etzel geäußerte Kritik zu Veröffentlichungen der BI und von Grünen-Politikern. Man wolle keine Ängste in der Bevölkerung schüren, sondern dafür sorgen, dass die Sicherheit der Bürger und der Schutz der Heimat gewährleistet sind, heißt es in einer Pressemitteilung.
„Über Widersprüche und Ungereimtheiten muss jedoch unbedingt diskutiert werden“, sagt Hindriksen Nicht nachvollziehbar sei aus BI-Sicht die Aussage der Storag, dass es in Etzel wegen des weichen Deckgebirges keine Spannungen im hiesigen Salzstock geben könne. Diese Aussage, so der 2. Vorsitzende der BI, Andreas Rudolph, treffe lediglich auf die Deckschichten bis zu einer Tiefe bis etwa 100 Metern zu. „Spätestens in einer Tiefe von 300 Metern gibt es großräumige, bruchhafte Verformungen – also Störungen – mit großem Versatz. Dieses wäre bei einem weichen Gebirge eben nicht möglich.“ Daher können durch ständig ändernden Kavernendruck sehr wohl existierende Störungen reaktiviert werden, was im ungünstigsten Fall zu Erdbeben führen kann. Diese könnten Rohrstränge von Kavernenbohrungen zum Bersten bringen.
„Entgegen der Auffassung der Storag handelt es sich bei den Salzstöcken Etzel und Gorleben auf keinen Fall um die beiden bestuntersuchten Salzstöcke in Deutschland“, so Dr. Hindriksen weiter. Selbst die Gesellschaft für Anlagensicherheit habe bereits 2011 die 3D-seismische Vermessung von Gorleben gefordert, da Störungen nur mit diesem Verfahren eindeutig identifiziert werden können. In Etzel seien die Storag-Auffassungen bezüglich der Standsicherheit der Störung und des Deckgebirges bisher nicht belegt, da mehr als 60 Jahre alte 2D-Seismik benutzt wurde.
Auch die Aussage, dass es sich bei der Senkung von jährlich 8,4 Zentimeter um einen Einzelwert für 2017/18 handelt, trifft nach Ansicht der BI nicht zu. „Bereits zuvor gab es an den identischen Messpunkten schon Absenkungen, die weit über der Prognose der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagen. Über die vergangenen fünf Jahre gesehen handelt es sich bei den im vergangenen Jahr gemessenen Wert von 1,9 Zentimeter um einen, wenn auch positiven Ausreißer“, wird in der Pressemitteilung Doris Stehle aus dem BI-Vorstand zitiert. Ob sich dieser Wert über die nächsten Jahre stabilisieren werde, sei noch völlig ungewiss. „Stabil sind bisher Senkungen von jährlich etwa sechs Zentimeter im Bereich der geologischen Hauptstörung.“
Bezüglich der Grundwasserbelastung mit Chloriden 500 Meter vom Trinkwasserschutzgebiet entfernt liegen der BI Erkenntnisse vor, dass das Trinkwasser für das Wasserwerk Horsten in einer Tiefe von weniger als 30 Metern entnommen wird und nicht, wie Storag erklärte, in 50 bis 60 Metern Tiefe.
