Etzel - Informationen ja, aber keine Diskussion. Diese Regelung galt am Montag bei der Sitzung des Kavernenbeirats der Storag Etzel. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat den Rahmenbetriebsplan für die nächsten 50 Jahre vorgestellt. Er ist jedoch noch nicht rechtskräftig, weil die Gemeinde Friedeburg gegen den Plan klagt. Sie sieht darin ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt.
Martin Fürst, Jurist beim Landesamt, wies auf das anstehende Verfahren hin. „Wir werden heute und solange das Verfahren läuft, nicht über den Rahmenbetriebsplan 2020 diskutieren“, kündigte er an. Der Plan wurde daher in der Sitzung nur vorgestellt, Nachfragen waren nicht möglich.
Dr. Arendt Hindriksen, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten-Etzel-Marx, bedauerte diese Entscheidung. Es sei demokratiefeindlich, solche Dinge nicht diskutieren zu dürfen. Die Bürgerinitiave brachte als Mitglied und Experten Bernward Otto mit. Der Geophysiker beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit mehr als zehn Jahren mit Karvenen in Ostfriesland. Otto kritisierte die Prognosen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Der Boden senke sich anders ab als vorhergesagt. „Es gibt keine Hebung, es geht immer nur bergab und zwar unterschiedlich schnell bergab“, erklärte er. In einem Jahr senke sich der Boden um acht Zentimeter ab, im anderen nur zwei bis drei Zentimenter. Dies wertete Otto als Indiz für Rutschvorgänge im Kavernendach.
Bürgerinitiative: Das kann zu Erdrutschen oder kleineren Erdbeben führen
Dies könnte, so die Bürgerinitiative in einer Mitteilung, zu Erdrutschen oder kleineren Erdbeben führen. Gleich mehrere Förderstränge der Kavernen könnten dabei abreißen. Untertage würde dann Erdgas oder Erdöl austreten. Aus diesen Gründen sieht Otto die Standsicherheit von Kavernen für nicht nachgewiesen und gefährdet an. Er forderte die Storag auf, das in den Blick zu nehmen und drüber nachzudenken.
Auch warb der Experte dafür, für das Kavernenfeld Etzel eine dreidimensionale seismische Messung anzuordnen. Bisher werde nur die 2D-Messung eingesetzt. Otto verglich sie mit Röntgenaufnahmen aus den 1960er-Jahren. Die 3D-Seismik hingegen würde ganz andere Ergebnisse liefern. Sie sei vergleichbar mit der Genauigkeit der Magnetresonanztomographie (MRT).
Den Forderungen nach einer 3D-Messung kommt das Landesamt aber in dem Rahmenbetriebsplan nicht nach. Dafür fehlten laut Zulassungsbericht die Rechtsgrundlagen. Eine 3D-Seismik sei darüber hinaus im Salzstock nicht aussagekräftig. „Die dem Kavernenbetreiber vorliegenden Daten, ermittelt durch Verschneidung der Informationen aus Bohrungen und 2D-Seismik, sind gerade im Salzstock selbst aufschlussreicher“, heißt es im Bericht.
Natürlich gebe es die Bohrungen, sagt auch Bernward Otto. Aber die würden eben auch nicht weiterhelfen, weil die Bodenschichten Sprünge hätten. Eine gerade Linie zwischen den Bohrungen lasse sich daher nicht ziehen.
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