Friedeburg - Die BeWo Besser Wohnen GmbH Friedeburg wird das „Deutsche Haus“, in dem sich seit 170 Jahren eine Gastronomie befindet und später um eine Schießanlage erweitert wurde, doch nicht von der Eigentümerfamilie Bünting erwerben. „Wir sind uns nicht einig geworden“, sagt Gerda Bünting. Die Immobilie stehe weiterhin zum Verkauf, es gebe auch andere Interessenten.
André Becker, einer der BeWo-Geschäftsführer, hatte bis vergangene Woche noch Hoffnung gehabt. „Wir warten noch auf die Reaktion der Verkäufer“, berichtete der Unternehmer auf Nachfrage unserer Zeitung. Er habe ein Konzept vorgelegt, das den von der Gemeinde Friedeburg beschlossenen Rahmenbedingungen genügt und das den Abbruch der abgängigen Gebäudeteile und einen Neubau vorsieht. „Dem Schützenverein bieten wir an, dass der Schießstand an dieser Stelle erhalten bleibt“, sagte André Becker. Der Verein müsse lediglich die Erneuerung von Dach und Sanitärräumen vornehmen.
Waffen lagern jetzt in Marx
Der Schützenverein Friedeburg hat sein Eigentum – fristgerecht zum 31. Oktober – aus den Räumen des Schießstandes geräumt. „Die Schränke sind jetzt leer“, berichtet Vorsitzender Georg Löschen, den aktuellen Zustand, den er Gerda Bünting mitgeteilt habe. Alte Schießkleidung habe man entsorgt, die in Jahrzehnten erhaltenen Pokale stehen jetzt zunächst bei Sportleiter Matthias Oldenettel. Auch andere Dekorationsstücke hätten Mitglieder vorübergehend mitgenommen. Die aktiven Jugendsportler hingegen haben jeweils eine Tasche erhalten, in der sie ihre Sportkleidung mitführen können.
„Die Schränke sind jetzt leer“, berichtet Georg Löschen, Vorsitzender des Schützenvereins Friedeburg. (Bild: Archiv)
In Strudden üben die Friedeburger Schützen derzeit zeitlich parallel mit den Marxer Vereinssportlern. „Das klappt ganz gut, kann aber keine Dauerlösung sein“, betont Georg Löschen. Bevor der Teil-Lockdown im Herbst Zusammenkünfte wieder unterband, hätten die Friedeburger dort lediglich fünf Trainingsschießen absolvieren können.
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Matthias Oldenettel hat auch dem Ordnungsamt des Landkreises Wittmund den Sachstand der Schießanlage mitgeteilt, die aktuell noch betriebsfähig ist. Die Waffen lagern jetzt auf dem Schießstand in Marx in vorschriftsmäßigem Gewahrsam. Man lasse zunächst alles einmal so, bis sich die Lage des Bleibens oder des Wegzugs geklärt hat. „Die Schützen werden dann sicher mit dem neuen Eigentümer sprechen“, ist sich Gerda Bünting sicher, die das „Deutsche Haus“ lange mit Herzblut betriebe hat. Aus ihrer Sicht ist die Bausubstanz gar nicht so schlecht, wie andere munkeln. Aber weil auch sie weiß, dass ein leerstehendes Gebäude gerade in der dunklen Jahreszeit Schaden nehmen kann, hofft sie auf einen baldigen Kaufvertragsabschluss. Im Januar dieses Jahres waren die letzten Mieter ausgezogen.
Schützenverein prüft Pläne für eigenen Neubau
Georg Löschen gibt die Hoffnung für den Erhalt und die Sanierung des Schießstandes an der bisherigen Stelle nicht auf. Vielleicht gebe es ja doch noch eine Chance. „Nur wenn der Kleinkaliber-Schießstand erst einmal weg ist, bekommen wir an dieser Stelle keine neue Genehmigung“, ist sich der Vorsitzende sicher. Allerdings gebe es hier erheblichen Sanierungsbedarf.
Dass der Schießstand in Friedeburg erhalten bleibt, erscheint zurzeit unwahrscheinlich. Die Schützen wollen die Hoffnung aber noch nicht aufgeben.
Parallel reifen derweil Pläne für einen Neubau des Schützenvereins. „Ein erster Entwurf liegt bereits vor“, berichtet Löschen, und auch einen möglichen Standort habe man bereits ins Auge gefasst. „Wir haben unsere Überlegungen bei den Vorsitzenden vom Sportverein Friedeburg, des Turnvereins Friedeburg und des TuS Strudden vorgestellt und warten auf die Rückmeldungen.“ Denn ein derartiges Neubauprojekt ließe sich nur mit deren Unterstützung verwirklichen. Im neuen Jahr müsse unbedingt Klarheit geschaffen werden, in welche Richtung man denken muss, unterstreicht der Vorsitzende.
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