Friedeburg - „Meinen Beruf habe ich ausgewählt, weil ich gerne mit Menschen zusammenarbeite, sie für etwas begeistern und sie mit der Musik mitreißen möchte“, umschreibt Klaus Coordes seine Profession. Der Friedeburger ist Inhaber der Agentur NordWest Event, die Projektplanung, Moderatorentätigkeit und Discjockey-Musik anbietet.
Doch die Branche liegt komplett am Boden. Zusammenkünfte, für die er gebucht werden könnte, finden derzeit einfach nicht statt. Ihm wurde die berufliche Grundlage entzogen. Und was macht ein Veranstaltungsmanager in dieser Zeit? Zunächst hatte Coordes vieles aufgearbeitet, was liegengeblieben war. „Unser Haus habe ich vom Keller bis ins Dach renoviert und den Garten umgestaltet.“
Ab er habe auch Tochter Mieke (8) im Homeschooling betreut und somit seiner Ehefrau Inga den Rücken frei gehalten, die als Leiterin der Sparte Privatkunden bei der Sparkasse weiterarbeiten konnte.
Als Kirchenvorsteher
Aus einem unruhigen Berufsalltag heraus gewannen mit der Zäsur durch Corona auf einmal Sofa und Fernseher wieder an Wertschätzung. Klaus Coordes wurde Koch und Handwerker und widmete sich verstärkt seinem 2018 erhaltenen Amt als Kirchenvorsteher der Gemeinde Zum Guten Hirten. „Zur Kandidatur bin ich durch meine Frau gekommen, die Orgeldienste versieht und in der Kinderkirchenarbeit tätig war. In der Gemeinde unterstütze ich Pastor Jörg Janköster bei digitalen und grafischen Aufgaben“, umschreibt der 42-Jährige sein Engagement. Gerade in Pandemiezeiten seien Ideen und Organisation gefragt, um die Christen zu erreichen. Dass dieses gelungen ist, zeige die höhere Zahl an Gottesdienstbesuchern.
Als einer im Team sorgte Coordes mit für die Organisation und Umsetzung von Osterspaziergang, Weihnachts-Parcours, Krippenspiel in Schattendarstellung und manchem über das Internet übertragenen Gottesdienst. „Die Corona-Zeit haben wir genutzt, um die Gemeindearbeit digital voranzubringen.“ Dabei sei es das Ziel gewesen, alle Altersgruppen mitzunehmen und die Kommunikation mit den Christen zu intensivieren.
Zunächst Bankkaufmann
Dennoch bleiben bei Klaus Coordes die schönen Erinnerungen an die vorangegangenen Berufsjahre und das Verlangen, baldmöglichst wieder loslegen zu können. Denn wie beim Ehrenamt des Kirchenvorstehers, so bewies der gebürtige Friedeburger immer auch als Veranstaltungsprofi große Leidenschaft in seinem Tun. Mit dem Abi in der Tasche hatte er sich zunächst zum Sparkassenkaufmann ausbilden lassen. Doch nach sieben Jahren war Schluss; er machte sein Hobby zum Beruf.
Coordes hatte Ende der 1990er-Jahre den Esenser Radio- und Fernsehtechniker Thorsten Evers kennengelernt, in dessen Veranstaltungsservicefirma Evers-PA er einstieg. Hier erweiterte er als DJ das Portfolio und übernahm vor allem kaufmännische Aufgaben. Immerhin spielte der Friedeburger im Feuerwehrspielmannszug Lyra und Querflöte, hatte im Vorstand des örtlichen Gewerbevereins bereits manches mitorganisiert und zeigte sich überhaupt sehr kontaktfreudig. Als „Coordes Veranstaltungsservice“ bot er bereits manche Leistungen für Familienfeiern an.
Auch bei Evers-PA bewies sich Klaus Coordes als „kein Mensch für halbe Sachen“. Der Sparkassenkaufmann packte beim Aufbau von Ton- und Lichttechnik mit an, brachte mit angesagter Musik die Leute zum Tanzen und riss sein Publikum mit launigen Moderationen mit. Vielfach war sein detailliertes Konzept für ein gelingendes Event gefragt. Das Team, zu dem in der 2006 gegründeten GmbH bald auch Auszubildende gehörten, wurde auf der ganzen ostfriesischen Halbinsel gebucht – und darüber hinaus bis in das Ruhrgebiet und nach Frankfurt.
Große Konzerte
„Meine persönlichen Highlights waren unser Einsatz als ,Vorband‘ von Santiano in Tannenhausen und das ,Open-Air am Meer‘ in Norddeich“, blickt der Friedeburger gerne zurück. Evers-PA übertrugen aber auch die Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Pferdemarkt in Oldenburg und moderierten die Boßel-Europameisterschaft auf einer zwei Kilometer langen Strecke. Die Firma bot immer eine Individuallösung. „Künstler und Bands zu betreuen, die Gespräche hinter der Bühne und die Kommunikation mit dem Publikum – das alles hat schon seinen besonderen Reiz.“
Coordes macht keinen Hehl daraus, dass er den deutschen Schlager mag. „Ich spiele halt alles, wonach die Ostfriesen feiern können.“ Da reiche schon eine Auswahl von weniger als 100 Titeln. Die Show müsse einfach stimmig sein.
Neue Perspektiven
Dass man als Veranstaltungsservice vor allem abends und am Wochenende gefragt ist, versteht sich von selbst. So sorgte Tochter Mieke für eine erste Erdung im zuvor unsteten Berufsalltag, nachdem sie 2013 geboren worden war. 2016 trennten sich Thorsten Evers und Klaus Coordes beruflich, blieben danach jedoch Freunde und Geschäftspartner. Der Friedeburger gründete Nordwest Event und beschränkte sich fortan auf einen Teil der Dienstleistungen, die er dennoch mit Herzblut anbietet.
Coordes ist zuversichtlich, dass er irgendwann wieder das Mikrofon in die Hand nehmen kann und als Projektleiter oder Discjockey gebucht wird. „Uns geht es gesundheitlich gut, wir haben eine neue, moderne Rollenverteilung in der Familie gefunden und genießen die frei gewordenen Minuten und Stunden.“
