Friedeburg - Nicht nur für die Sicherheit von Waldkindergartenbesucher und Spaziergänger im Friedeburger Stroot-Wäldchen muss manchmal ein Baum gefällt werden. „Der Wald selbst braucht ebenfalls Pflege, auch mit der Motorsäge“, erklärt Hans-Günter Willms. Wenn Stämme zu dicht beieinander stehen und anderen Konkurrenz machen, werden bestimmte Bäume daher gezielt entnommen, berichtet der „Stroot-Manager“ des Landkreises Wittmund. Weil dies bodenschonend passieren soll, ist der Einsatz von Pferdegespanne geplant.
Der Strooter Wald im Herzen von Friedeburg ist für viele Bürger ein beliebtes Naherholungsgebiet. Auch der Waldkindergarten und Klassen der nahen Haupt- und Realschule „Altes Amt Friedeburg“ (SAAF) sind dort unterwegs, um etwas zu erleben oder zu lernen. Nicht allen ist bekannt, dass der dortige Forst im Eigentum des Landkreises Wittmund steht.
Er ist vor einem guten Jahrzehnt von den Niedersächsischen Landesforsten erworben worden, um hier verstärkt Naturschutzbelange zu erfüllen. Direkt zuständig für Planungen und Maßnahmen im Stroot ist die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Wittmund.
Eine besondere Verantwortung für die Umsetzung der Naturschutzziele vor Ort hat Hans-Günter Willms von der UNB, seine Funktion im Waldgebiet könnte mit „Stroot-Manager“ bezeichnet werden. Und diese Aufgabe ist nicht einfach, weil die vorrangigen Naturschutzziele mit den Erholungswaldanforderungen in Einklang gebracht werden müssen.
Vom Forstwirt zum „Stroot-Manager“
Willms bringt viel Erfahrung für diese Aufgaben mit. In Wittmund und Friedeburg aufgewachsen, hat er seine Forstwirtausbildung bei Osnabrück absolviert und längere Zeit in einem größeren Privatforstbetrieb südlich von Hannover als Forstwirtschaftsmeister gearbeitet. Im Jahr 1993 kam er zurück in seine alte Heimat und leitete das Sozialprojekt „Ökohof“ in Wiesede bis zu dessen Beendigung im Jahr 2014.
Seitdem ist Hans-Günter Willms beim Landkreis in der Naturschutzbehörde vor allem für Wallhecken-Kartierungen und praktische Waldfragen zuständig. Das Management im Stroot bringt er folgendermaßen auf den Punkt: „Auf einigen Teilflächen soll die Natur hier wirklich Natur sein dürfen. Wenn der Wind mal große Bäume umgeweht hat, deren Wurzeln in die Luft ragen und das Astwerk wild durcheinander liegt, dann ist das ein ganz natürlicher Prozess, der in den leider nur noch wenigen Urwäldern dieser Erde einfach dazugehört.“
„Warum sollte das auf einer Teilfläche des Stroot nicht auch möglich sein?“, fragt er. Nur auf den ersten Blick wirkten solche Areale unaufgeräumt. Beim genauen Hinsehen gebe es viel Naturphänomene zu entdecken – viel mehr als in gepflegten Parkanlagen“, so Forstwirtschaftsmeister Willms zur besonderen Zielsetzung im Strooter Wald.
Erholungsnutzung auch weiterhin
Der Kreisbedienstete erläutert, dass es in vielen anderen Bereichen des Friedeburger Stroots aber auch weiterhin ein Wegenetz geben wird, auf dem die Menschen unterwegs sein können. Und dass die Flächen, auf denen die Kinder des Waldkindergartens besonders häufig anzutreffen sind, regelmäßig auf Sicherheit überprüft würden. Damit sollen Gefahren, die von herabfallenden Ästen oder umfallenden Bäumen drohen, ausgeschlossen oder bestmöglich minimiert werden. Für die Verkehrssicherheit auf den für menschliche Nutzung im Stroot vorgesehenen Wegen würde grundsätzlich die Gemeinde Friedeburg sorgen.
Nicht nur für den Waldkindergarten oder die Menschen, die im Stroot unterwegs sind, muss manchmal ein Baum gefällt oder ein fauler Ast abgesägt werden. „Der Wald selbst braucht ebenfalls Pflege, auch mit der Motorsäge“, erklärt Hans-Günter Willms weiter.
In einigen Gebieten des Waldes wird er bald Bäume mit Sprühfarbe markieren. Die werden dann in einer Jahreszeit, wenn die Bäume nicht im Saft sind, und wenn keine Vogelbrut und Jungtiere vorhanden sind, gefällt und an befahrbare Wege befördert. Von dort können dann Fahrzeuge das Brennholz abtransportieren oder wertvolles Bauholz in Sägewerke bringen.
Pferdegespanne anstatt von Großmaschinen
Die gezielte Entnahme von kranken Bäumen, von solchen, die zu dicht beieinanderstehen und anderen, die besonders zu fördernden Bäumen Konkurrenz machen, wird mit Bedacht vorbereitet. Fachleute werden mit Motorsägen die Bäume fällen, und es ist geplant, die Baumstämme mit Pferdegespannen aus dem dichten Wald an die Wege zu ziehen.
„Dieses sehr alte Handwerk wird auch zu Zeiten von Großmaschinen noch praktiziert und funktioniert in verlässlicher Zusammenarbeit von Mensch und Tier. Wir sind mit Spezialunternehmen für diesen Auftrag in Verhandlung und zuversichtlich, dass wir diese sehr sensible und bodenschonende Holzerntemaßnahme im Stroot praktizieren können“, beschreibt Finn Ahrens, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Wittmund.
Was dazu noch wichtig ist
„Altenpflege und Jugendförderung“ im Wald
Den besonderen Reiz der bevorstehenden Waldarbeiten im Stroot macht die „Altenpflege“ aus. So nennt Finn Ahrens, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Wittmund, das Entnehmen von Nadelbäumen, die an manchen Stellen uralten Eichen und Buchen das lebensnotwendige Licht streitig machen.
Auch die „Jugendförderung“ liegt ihm sehr am Herzen. Im Strooter Wald bedeutet das, über jungen Laubbäumen stehende Douglasien, Fichten oder große Küstentannen zu fällen. „Damit verbessern sich die Wuchsbedingungen der Jungbäume enorm, und man kann mit diesen Maßnahmen ihr Überleben sichern und ihnen eine Zukunft im Waldgefüge ermöglichen“, so Ahrens. Der eigentliche Beginn der Waldpflegemaßnahmen durch Holzeinschlag im Stroot wird fristgerecht angekündigt.
