FRIEDEBURG - 'Es ist ein toller Arbeitsplatz. Ich habe wohl das schönste Büro in der Verwaltung', so Frauke Reuß-Hemken. 'Zwar kommen manchmal noch Menschen vorbei und meinen, hier wäre ein Reisebüro, aber das ist dann immer sehr schnell aufgeklärt'. Seit 1993 wird hier Werbung für Friedeburg gemacht, verschickt und gelebt. Auch in der Museumsnacht am Freitag konnten sich die Besucher in besonderer Atmosphäre ein Bild vom früheren Leben im Bürger- und Gästehaus machen.

Eingeladen hatte der Kunst- und Kulturkreis der Gemeinde Friedeburg. Zu Beginn sammelte man sich im liebevoll gestalteten Bauerngarten des Hauses. Henry Sievers, Hartmut Vogt und Adelbert Eden führten die Gäste durch Buchsbaumhecken, erklärten das ein oder andere und beantworteten Fragen der Besucher, die es sich bei leichtem Regen nicht nehmen ließen, die Rundtour anzutreten. Akteure der Theatergruppe 'De Theater Speelers' aus Reepsholt ließen anschließend das geschichtsträchtige Gulfhaus wieder lebendig werden. Zeitzeugen und Ortschronisten berichteten durch drei Stationen von der Geschichte des Hauses. Der Geschichtsschreiber Hillrich Reents, Friedeburgs ehemaliger Bürgermeister, brachte die Familiengeschichten der ehemaligen Hausbewohner des Bürger- und Gästehauses im Kaminzimmer in Erinnerung. 'Früher war hier die Wohnküche', berichtete er. Auch Emmy Huber, die letzte noch lebende Hausbewohnerin des ehemaligen 'Ockenga’schen Gebäudes', erzählte aus ihren Jugenderinnerungen. Dabei unterstütze ihre Tochter Annette Hollmann sie, die an diesem Abend ihre Mutter begleitete.

Emmy Hubers Vater, Thomas Hinrichs, war der sechste Eigentümer des Bürger- und Gästehauses. Mit fünf Kindern lebte die Familie hier. Bis zum Jahre 1922 befand sich im Haus auch ein Gemischtwarenhandel mit einem 'Drogenschrank'. Nach vorliegenden Unterlagen aus dem Jahre 1931 führte Familie Hinrichs einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 14 Hektar Ländereien und acht Stück Großvieh. Der Kohlen- und Lagerschuppen war später das von der Bezugs- und Absatzgenossenschaft (Raiffeisenbank Friedeburg) als Warengenossenschaft geführte Geschäft an der Wieseder Straße (heute Bistro Pooma). Auch die Nachkriegszeit ging nicht spurlos an den Eigentümern vorbei. So mussten hier vorübergehend nach 1945 Vertrieben und Flüchtlinge einquartiert werden.

Nach dem Tod von Thomas Hinrichs im Jahre 1954, wurde der gesamte Besitz unter den fünf Kindern aufgeteilt. Im Wohnhaus beziehungsweise heutigen Bürger- und Gästehaus wohnten Anna Ockenga als Besitzerin bis zu ihrem Tod im Jahre 1989 und ihre Schwester Emmy Huber bis zum Jahre 1988. 'Das war schon eine tolle WG früher-mit meiner Schwester', erzählte die rüstige 98-jährige Emmy Huber, die am 18. Dezember 99 Jahre alt wird. Ruth Thurm, die die Station von Emmy Huber kommentierte, zeigte den Besuchern noch mitgebrachtes Porzellan von damals und wies abschließend auf die wahrscheinlich 'gute Luft' im Gulfhaus hin. 'Kein Wunder, dass die Menschen hier so alt werden.'

Heidrun Hilbert, Vorsitzende des Heimatvereins Friedeburg, kommentierte als Waschfrau das 'gespielte Leben' durch die Reepsholter Theatergruppe 'auf dem friesischen Heerweg'. Auch Geschichten rund um die 'Friedeburg', beispielsweise über Almuth – Tochter von Gräfin Theda von Ostfriesland – wurden zum Besten gegeben. Zum Abschluss gab es es noch eine deftige 'Museumssuppe' für alle Besucher.